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Leistungsdruck im Job
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Psychologische Ursachen – und Lösungen

Ständiger Leistungsdruck, digitale Dauererreichbarkeit und hohe Erwartungen sind für viele Berufstätige im Arbeitsalltag normal. Doch chronischer Stress kann Folgen haben. Arbeitspsychologen erklären, was dagegen schützt.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 07.01.2026  15:30 Uhr

Auswirkungen auf die Gesundheit

Problematisch wird Leistungsdruck Erhard zufolge dann, wenn Stress zum Dauerzustand wird und Erholung kaum noch gelingt. In dem Fall liege chronischer Stress vor. Das kann sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken. »Psychisch zeigt er sich oft in Erschöpfung, Schlafstörungen, Gereiztheit oder sozialem Rückzug«, so die Psychologin.

Auch ständiges Grübeln oder Angststörungen sind laut Jakobi möglich. Körperlich kann es beispielsweise zu Verspannungen, Magenproblemen oder einem geschwächten Immunsystem kommen. »Eine weitere mögliche Folge von dauerhaftem Leistungsdruck ist ein Burn-out«, so Jakobi. All dies führt häufig zu eingeschränkter Leistungsfähigkeit.

Sind wir heute weniger belastbar?

Ein Chatbot verfasst E-Mails-Entwürfe, ein Algorithmus analysiert Daten: Wird Arbeit durch die Verbreitung technischer Unterstützung nicht eigentlich weniger und einfacher? Warum scheinen trotzdem mehr Menschen sie als belastender zu empfinden als früher?

Menschen seien nie grundsätzlich belastbarer gewesen, wie Erhard sagt. Aber die Arbeitsbedingungen haben sich verändert und verändern sich kontinuierlich. Heute arbeiten der Expertin zufolge viele unter permanentem Veränderungsdruck und ständiger digitaler Erreichbarkeit.

»Gleichzeitig sprechen wir offener über mentale Gesundheit, was den Eindruck erwecken kann, dass Belastungen zugenommen hätten«, so die Psychologin. Dabei seien sie vielleicht einfach sichtbarer geworden.

Grenzen kennen und priorisieren

»Hilfreich kann sein, Resilienz, also eine psychische Widerstandsfähigkeit, aufzubauen«, sagt Jakobi. Dazu gehöre, sich selbst realistische Ziele zu setzen. Aber auch Selbstfürsorge in Form von Achtsamkeitstraining sowie Entspannungstechniken wie etwa Meditation seien wichtig.

»Ein guter Start ist der Realitätscheck«, so Erhard. Welche Erwartungen sind tatsächlich da und von welchen glaube ich nur, dass andere sie an mich stellen? Oft gebe es eine Diskrepanz zwischen expliziten und impliziten Erwartungen. »Wenn wir diese auflösen, fällt viel Druck ab«, sagt die Psychologin.

Zusätzlich könne es helfen, die eigenen Glaubenssätze zu prüfen. Muss wirklich alles perfekt sein, oder reichen manchmal vielleicht auch 80 Prozent aus?

Darüber hinaus empfiehlt Arbeitspsychologe Jakobi: »Man sollte sich der eigenen Grenzen bewusst sein und Neinsagen lernen, wenn es einem zu viel wird.« Nicht zuletzt gehe es auch darum, Aufgaben zu priorisieren. Das funktioniert am besten, indem man sich täglich eine To-do-Liste anlegt und darauf die Dinge, die am wichtigsten sind, ganz oben notiert.

Hilfreich ist zu wissen, »was einem persönlich hilft, um sich zu entspannen und zu regenerieren«, so Erhard. Da dies sehr individuell ist, lohne es sich, ein eigenes Repertoire an wirksamen Erholungsstrategien aufzubauen.

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