| Brigitte M. Gensthaler |
| 21.01.2026 13:30 Uhr |
»Prävention ist extrem wirksam und bei Frauen noch wirksamer als bei Männern«, resümierte Magnussen. Doch dazu brauche es politische Unterstützung. Die Ärztin forderte ein strukturiertes Screening schon in jungen Jahren, um Risikofaktoren wie Hypertonie und Hyperlipidämie früh zu erkennen, sowie flankierende staatliche Maßnahmen wie eine Erhöhung der Zucker- und Tabaksteuer.
Für die Prävention sowie Früherkennung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder (Prä)Diabetes sind öffentliche Apotheken prädestiniert. »Apotheken sind hier ein zentraler Baustein«, betonte die Kardiologin in der Diskussion. Hausärzte könnten das allgemeine Screening gar nicht leisten, aber Apotheken könnten dies anbieten. Nötig sei eine strukturierte Vorgabe, wer wann zum Screening kommen solle.
Für Moderatorin Kreutner sind die Apotheken essenzielle Partner in der Aufklärung von Frauen und ein wichtiger Teil der #GoRed-Initiative. Die HCF stärkten die Rolle der Apotheken auf vielen Ebenen.
Dr. Lena Marie Seegers, Leiterin des ersten universitären Frauenherzzentrums am Universitätsklinikum Frankfurt, lenkte den Blick auf die weibliche Biologie. »Hormone spielen in jeder Lebensphase eine wichtige Rolle für die Herzgesundheit.«
Das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) sei ein Risikofaktor fürs Herz, ebenso eine Schwangerschaftshypertonie oder Präeklampsie sowie die Menopause, vor allem bei frühem Beginn. »Aber wir Ärzte fragen solche Faktoren gar nicht systematisch ab.« Kardiologie und Gynäkologie müssten stärker zusammenarbeiten, zumal Komplikationen in der Schwangerschaft das Herz langfristig belasten.
Besser bekannt sind die Zusammenhänge mit der Menopause. Eine Atherosklerose beginne bei Frauen etwa zehn Jahre später als bei Männern, aber nach der Menopause steige das kardiovaskuläre Risiko um fast das Zehnfache an. »Diese Lebensspanne kann man gut nützen für die Prävention«, betonte Seegers. Allerdings würden Hypertonie und Hyperlipidämie bei Frauen seltener behandelt als bei Männern und ihre Adhärenz sei deutlich geringer, vor allem bei Statinen und Antihypertonika.
Eine besondere Gruppe sind Menschen nach Geschlechtsumwandlung. Transgendermenschen hätten ein um 40 Prozent höheres Risiko für Herzerkrankungen, vor allem Mann-zu-Frau-Personen (Transfrauen), informierte Seegers. Im Frauenherzzentrum in Frankfurt gebe es Studien, um das höhere Risiko besser zu verstehen. Die Hormontherapie spiele wohl eine Rolle. Außerdem lebten Transmenschen oft am Rand der Gesellschaft und hätten weniger Zugang zum Gesundheitswesen. Viele hätten zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht.