| Johanna Hauser |
| 04.06.2026 10:31 Uhr |
Ein gesunder Lebensstil kann auch bei neurologischen Erkrankungen viel bewirken. / © Getty Images/IGphotography
Neurologische Krankheiten sind zentrale Treiber von Mortalität und Morbidität und die häufigste Ursache für Behinderungen, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Gleichzeitig fließe nur ein Tausendstel des deutschen Gesundheitsbudgets in die Prävention.
Vor diesem Hintergrund entstand die Publikationssammlung der DGN, die aktuell in deren Fachjournal »Neurological Research and Practise« veröffentlicht wurde. In dem Open Access Journal beleuchten acht evidenzbasierte Arbeiten das Potenzial der Prävention bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Epilepsie, Polyneuropathie, Schlaganfall und Demenz.
Betrachtet man das Thema Schlaganfall genauer, wird deutlich, was Prävention hier leisten könnte: 80 Prozent aller Schlaganfälle sind auf 23 modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen, führt Professor Dr. Christian Thielscher, Erstautor des Papers zur Schlaganfallprävention, in einer Pressemitteilung der DGN aus.
Es müsse zwar zwischen individuellen Faktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck und allgemeinen Faktoren wie Luftverschmutzung unterschieden werden, so DGN-Präsidentin Professor Dr. Daniela Berg vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Dennoch könnten durch eine Lebensstiländerung (Verzicht auf Alkohol und Rauchen, regelmäßiger Sport, ballaststoffreiche und salzarme Ernährung) ein Drittel der etwa 270.000 Schlaganfälle vermieden werden – also 90.000 jährlich.
Ein ähnliches Potenzial bietet die Demenzprävention. Hier sind gemäß Dr. Kathrin Reets 14 modifizierbare Risikofaktoren für 45 Prozent der Fälle verantwortlich. Eine strukturierte Intervention zur Verbesserung der kognitiven Funktion könne wirksam sein, sei aber aufwendig. »Prävention braucht Vermittlung«, so Berg. Ärzte müssten dafür wiederholt Gespräche mit Betroffenen führen.
Auch Parkinsonpatienten profitieren von Prävention und einer Umstellung des Lebensstils. Und zwar auch in der Sekundärprävention, sodass das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden kann. Allerdings, so Dr. Petra Schäffler vom UKSH Kiel und Editorin der Publikationssammlung, bedarf es eines hohen Zeitaufwands, um die Patienten vom Stellenwert der Prävention zu überzeugen.
Es sei herausfordernd, den Menschen zu vermitteln, dass diese Maßnahmen mehr bewirken können als eine Tablette. Zahlen zeigten allerdings, dass intensiver Sport das Parkinson-Risiko um bis zu 60 Prozent senken und den Krankheitsverlauf verlangsamen könne.