| Brigitte M. Gensthaler |
| 02.03.2026 13:30 Uhr |
Patienten mit Afrikanischer Schlafkrankheit müssen in der Regel umfassend im Krankenhaus behandelt werden (Symbolbild). Unbehandelt verläuft die Infektionskrankheit tödlich. / © Shutterstock/godongphoto
Die Schlafkrankheit, korrekt als »humane Afrikanische Trypanosomiasis« (HAT) bezeichnet, ist eine infektiöse Tropenerkrankung. Sie gehört zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTD). Ausgelöst wird die Erkrankung durch Trypanosomen. Das sind einzellige Parasiten, die durch den Stich der Tsetsefliege übertragen werden. Es gibt zwei Unterarten: In West- und Zentralafrika verursacht der Parasit Trypanosoma brucei gambiense die Schlafkrankheit, in Ostafrika ist es Trypanosoma brucei rhodesiense. In vielen Ländern konnte die Übertragung inzwischen eingedämmt werden; es werden derzeit weniger als 1000 Fälle pro Jahr gemeldet.
Die Schlafkrankheit befällt vor allem das Lymph- und Nervensystem und führt unbehandelt zum Tod des Patienten. Die Symptome unterscheiden sich je nach Stadium.
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA votierte jetzt für die Zulassung von Acoziborol (Tabletten à 320 mg, Sanofi Winthrop) zur Behandlung der Schlafkrankheit, die durch Trypanosoma brucei gambiense (g-HAT) verursacht wird. Das Medikament ist für Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 40 kg zur Behandlung von g-HA im ersten und zweiten Stadium (auch im schweren zweiten Stadium) indiziert.
Die genaue Wirkweise ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich bindet Acoziborol an den Faktor CPSF3 in Trypanosoma brucei und hemmt die Reifung der messenger-RNA des Parasiten. Das Bor-Atom im Molekül scheint für die trypanozide Wirkung essenziell zu sein.
Aktuelle Therapien der g-HAT sind komplex und werden anhand des Krankheitsstadiums gewählt, das durch eine Lumbalpunktion bestimmt wird. Nur Fexinidazol wird als rein orale Behandlung über zehn Tage gegeben. Acoziborol Winthrop ist in allen Stadien der g-HAT wirksam, sodass weder Lumbalpunktion noch Krankenhausaufenthalt erforderlich sind. Dies vereinfacht die Behandlung für die Patienten ebenso wie die einmalige orale Gabe.