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Kritik an Abschlagerhöhung
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Philippi will sich weiter für Apothekenstärkung einsetzen

Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi sieht keine Effizienzreserven mehr bei den Apotheken. Er wünscht sich eine weitere Stärkung, auch wirtschaftlich, und signalisierte in seiner Rede politische Rückendeckung hinsichtlich der Abschlagsdebatte.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 24.06.2026  11:10 Uhr

»Jacken ausziehen, das ist eine Anordnung des Gesundheitsministers«, scherzte Andreas Philippi (SPD) zu Beginn seiner Rede beim parlamentarischen Abend und Sommerfest, zu dem der Landesapothekerverband und die Apothekerkammer Niedersachsen gemeinsam eingeladen hatten. Dem kamen zahlreiche Abgeordnete, Apotheker und Vertreter von Ärzteschaft, Krankenkassen und Marktpartnern gern nach. Philippis zweiter Satz galt dann direkt den Apothekenteams für ihren täglichen Einsatz. Der niedersächsische Gesundheitsminister bat alle anwesenden Apothekerinnen und Apotheker ausdrücklich, den Dank an alle Angestellten inklusive Botendienst auszurichten.

»Habemus Apothekenreform«, griff er sodann ein Zitat der Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Tanja Machalet (SPD), auf. Einige Maßnahmen seien zwar kritisch zu sehen. »Aber es ist auch eine wirkliche Chance. Es tut sich was!« Die Demonstrationen der Apotheken hätten sich gelohnt. Die Botschaft ist in der Politik angekommen, wie auch Hannovers Bürgermeister Thomas Klapproth (CDU) und der Vizepräsident des Niedersächsischen Landtags, Marcus Bosse (SPD), bestätigten. Das Wort »unverzichtbar« fiel an diesem Abend mehrmals.

Alle betonten die Apotheke als oft erste Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten, als sozialen Ankerpunkt und Problemlöser. »Sie leisten tagtäglich mehr, als nur Medikamente abzugeben«, betonte Minister Philippi. »Sie beraten, erklären, beruhigen, verhindern Medikationsfehler und schaffen Vertrauen in unser Gesundheitssystem – das ist wichtig.« Apotheken seien die Gesundheitsprofis vor Ort, schnell erreichbar ohne lange Wartezeiten und Wege. Das soll auch so bleiben. So sieht der Minister das fortlaufende Apothekensterben mit Sorge.

Philippi kritisiert Erhöhung des Kassenabschlags

Ausdrücklich kritisierte er, dass die Erhöhung des Packungsfixums nun zweistufig kommt, während mit der zweiten Stufe sogleich der Kassenabschlag, den die Apotheken abgeben müssen, angehoben werden soll. Man könne die Absicht der Bundesregierung verstehen, mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz die Last auf alle Schultern zu verteilen, aber für die Schultern vor allem kleinerer Apotheken sei dies schwierig. Es gebe keine Effizienzreserven mehr. »Apotheken leisten schon seit vielen Jahren ihren Beitrag zur GKV-Stabilisierung«, so Philippi.

Sollte man in Berlin an der Abschlagserhöhung festhalten, werde der positive Effekt der Reform deutlich abgemildert. Das wirke dem Ziel der Apothekenstärkung entgegen – »da müssen wir uns nichts vormachen«. »Wir werden die Auswirkungen aufmerksam und kritisch beobachten«, versprach Philippi. Das dürfe nicht auf Kosten der Versorgung gehen.

Lobend hob Philippi die Ausweitung der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) und Kompetenzen hervor. »Viele Apotheken sind dazu bereit, wenn es die wirtschaftliche Lage zulässt«, ist sich der Minister sicher. Die Politik trage hier die Verantwortung, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. »Wir werden uns weiter intensiv für eine faire Vergütung für Ihre außergewöhnlichen Leistungen einsetzen«, versprach der Minister.

Verlässliche Partner in Niedersachsen

Zuvor hatten Kammerpräsidentin Cathrin Burs und der LAV-Vorsitzende Berend Groeneveld die Positionen der Apotheken noch einmal verdeutlicht und zugleich die gute, konstruktive, offene Zusammenarbeit mit der Landespolitik hervorgehoben. Burs erinnerte daran, dass die Stabilisierung der Apotheken kein Selbstzweck sei. »Wir stehen bereit, unsere pharmazeutische Kompetenz noch stärker einzubringen – wir sind Teil der Lösung«, sagte die Kammerpräsidentin auch im Hinblick auf Prävention und Primärversorgung.

Groeneveld wünscht sich, dass bei allen politischen Maßnahmen die gleichen Maßstäbe wie an ein Arzneimittel angelegt werden: Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Nur so lasse sich Vertrauen schaffen. Die angekündigte Erhöhung des Kassenabschlags sei unsäglich und gefährde weitere Apotheken.

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