| Ev Tebroke |
| 12.02.2026 10:00 Uhr |
Um den Forschungstandort Deutschland weiter voranzubringen, muss die Politik den Verbänden zufolge in fünf Aktionsfeldern aktiv werden. Diese sind in nun veröffentlichten »Handlungsempfehlungen 2.0« konkretisiert.
So fordert die Branche zuvorderst eine entschlossene Bekämpfung des Fachkräftemangels. Dazu schlägt sie vor, die medizinischen und naturwissenschaftlichen Studiengänge um praxisnahe Module zur klinischen Forschung auszubauen. Zudem sollte es einen staatlich anerkannten Studiengang »Klinische Forschung« geben, mit entsprechend anerkannten Berufsbildern der Klinischen Forschung.
Zudem wird weiterer Bürokratieabbau angemahnt, um die Forschung zu beschleunigen. Unterschiedliche Datenschutzinterpretationen über die einzelnen Bundesländer hinweg, einzelne »schwerfällige oder besonders formelle Ethik- Kommissionen« und zum Teil »extrem lange Vertragsverhandlungen« bremsten Studien und klinische Prüfungen oft um Monate aus oder ließen sie nicht mehr in Deutschland stattfinden, weil sie in anderen Ländern schon weit vorangeschritten sind.
Hier wünscht die Industrie etwa Vorgaben bundesweit einheitlicher Datenschutzrichtlinien für klinische Prüfungen, gebündelt unter einer Bundesbehörde. Zudem sollte es eine Standardisierung der Verfahren der Ethik-Kommissionen mit klaren Fristen geben.
Grundsätzlich sollten Studien und klinische Prüfungen in der Bevölkerung sichtbarer gemacht werden. Forschung scheitere mitunter daran, dass Patienten oft nichts oder nur zu wenig von geplanten oder laufenden klinischen Prüfungen erfahren und kaum über Wissen zu klinischen Prüfungen verfügten. Auch sei das Deutsche Register Klinischer Studien (DRKS) schwer verständlich und in der Bevölkerung mehrheitlich unbekannt.
Neben dem Aufbau eines bundesweit zentralen, vollständig laienverständlichen, barrierefreien Studienregisters fordert die Industrie »langfristige Öffentlichkeitskampagnen«. So sollten etwa das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) oder das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) die Bevölkerung über den Sinn, Zweck und Nutzen klinischer Forschung und der Teilnahme an klinischen Prüfungen aufklären.
Beim Thema Digitalisierung drückt die Industrie aufs Tempo: Ob bei elektronischer Patientenakte (ePA), Real-World-Daten oder Biobanken und medizinischen Registern – Deutschland hinke bei der digitalen Forschungsinfrastruktur »gefährlich« hinterher.
So sollte etwa die ePA nun zügig in die Praxis eingeführt werden. Bislang nutzen diese bekanntlich nur sehr wenige Versicherte. Die Branche setzt dabei auf eine zeitnahe Bereitstellung der ePA-Daten für Forschungszwecke, eine zeitnahe Erweiterung des Funktionsumfangs (elektronischer Medikationsplan, Volltextsuche), und eine standardmäßige Einbindung auch der PKV-Versicherten.