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Covid-19-Therapie
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Paxlovid bislang eher wenig nachgefragt

Paxlovid® als erstes oral verfügbares spezifisch gegen SARS-CoV-2 entwickeltes Medikament scheint nicht so breit zum Einsatz zu kommen, wie zunächst erwartet. Das sind die Gründe.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 03.03.2022  11:36 Uhr

Deutschland hat etwa eine Million Packungen Paxlovid® von Pfizer mit den Wirkstoffen Nirmatrelvir und Ritonavir geordert. Ausgeliefert wird seit voriger Woche über den pharmazeutischen Großhandel; Hausärzte können es seit Freitag verordnen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familiemedizin (DEGAM) sind aktuelle die Nachfrage und Verschreibung von Paxlovid in der hausärztlichen Versorgung «eine Randerscheinung», meldet die Deutsche Presseagentur. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich

Weigeldt, begrüßte zwar die Fortschritte bei der Entwicklung von Covid-19-Medikamenten. «Einen breiten Einsatz von Paxlovid in den Hausarztpraxen erwarten wir nach aktuellem Kenntnisstand jedoch nicht.»

«Paxlovid ist nicht der Pandemieüberwinder, sondern die Impfung», betont die DEGAM. Mit diesem Medikament habe man «einen Notnagel»: Der Einsatz erfordere äußerste Vorsicht und gute Patientenaufklärung und -überwachung. Paxlovid komme nur für eine kleine Gruppe von Menschen in Betracht: «für die ungeimpften Über-65-Jährigen, die noch nicht genesen sind».

«Paxlovid ist kein Allheilmittel», betont auch Professor Dr. Stefan Kluge, Intensivmediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Er koordiniert die Leitlinie mit Empfehlungen zur stationären Therapie von Covid-19-Patientinnen und -Patienten. Kluge rechne dennoch mit einer relevanten Zahl von Patienten, die damit binnen fünf Tagen nach Symptombeginn behandelt werden könnten: Geeignet sei das Medikament gemäß der vorliegenden Studie nur für Patienten ohne Impfschutz mit mindestens einem Risikofaktor, wozu etwa auch ein Alter ab 50 Jahre zähle.

Keine Option für Jüngere und Geboosterte

«Es ist anhand bisheriger Daten kein Medikament für beispielsweise schlanke, sportliche 20-Jährige oder 60-Jährige mit Booster, die ein positives Testergebnis erhalten», sagte Kluge. Zum Einsatz bei Geimpften generell gebe es bisher keine verlässlichen Daten.

In Hinblick auf den frühzeitig nötigen Behandlungsbeginn verweist der Universitätsmediziner auf die Problematik, dass viele Patienten nicht sofort zum Arzt gehen und zusätzlich noch Zeit bis zum Vorliegen des Testergebnisses vergeht.

Wegen der gebotenen Eile ist laut ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände vorgesehen, dass Ärzte ausnahmsweise Rezepte direkt an Apotheken schicken, die das Medikament dann beim Großhandel bestellen und es «möglichst kontaktarm» per Boten an Patienten ausliefern. Apotheken dürfen Paxlovid aber nicht bevorraten.

Ein weiterer Haken sind mögliche Wechselwirkungen mit einer Reihe anderer Medikamente, etwa gegen Bluthochdruck, Krebs, Depressionen oder zur Behandlung anderer Infektionen. Dies dürfte die Verschreibung gerade für besonders gefährdete Patienten erschweren. Experten wie Kluge drängen darauf, die Gefahr von Wechselwirkungen zwingend zu überprüfen. In der Packungsbeilage sind Patienten aufgerufen, ihrem Arzt und Apotheker eine Liste ihrer Arzneimittel zu zeigen.

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