| Daniela Hüttemann |
| 16.02.2026 18:00 Uhr |
»Trotz ähnlicher Prävalenzraten für ED in den vier Ländern gab es erhebliche Unterschiede hinsichtlich des Anteils der Teilnehmer, die eine Therapie erhielten«, erläutert May. In Deutschland erhielten 22,2 Prozent der ED-Betroffenen einen PDE-5-Hemmer. In Polen waren es nur etwas mehr (24,1 Prozent, kein statistisch signifikanter Unterschied), in Norwegen und der Schweiz jedoch deutlich mehr: 30,4 beziehungsweise 41,5 Prozent.
In Deutschland hatten 39,3 Prozent der Männer mit ED bereits einen Arzt aufgrund ihrer Potenzstörung aufgesucht. In Polen waren es nur 25 Prozent, wohingegen es in Norwegen (59,6 Prozent) und in der Schweiz (44,3 Prozent) deutlich mehr waren. Einen Apotheker hatten 23,6 Prozent der Betroffenen in Deutschland konsultiert, 21,5 Prozent in Polen, 46,8 Prozent in Norwegen und 34,6 Prozent in der Schweiz.
Bei einem Großteil der Befragten hatten die Apotheker für einen Check-up an den Arzt verwiesen – in Norwegen und der Schweiz sogar häufiger als in Deutschland (93,8 Prozent und 85,1 versus 80,7 Prozent). In Polen geschah dies bei 70,6 Prozent der Apotheken-Konsultationen. Ein Missbrauch in Form einer Anwendung von PDE-5-Hemmern ohne ED-Symptome wurde in allen Ländern nur in Ausnahmen berichtet.
Während in Deutschland 40,9 Prozent angaben, sich schon einmal einen PDE-5-Hemmer über den Schwarzmarkt besorgt zu haben, waren es in Norwegen nur 21,7 und in Polen 18,9 Prozent. Auf der anderen Seite hatten 56,1 Prozent der schweizerischen Befragten nicht offizielle Quellen genutzt.
»In der Schweiz ist die Hürde beim Zugang zu PDE-5-Hemmern de facto immer noch sehr hoch«, so May gegenüber der PZ. Die Beratungsgebühr in der Apotheke betrage in der Schweiz umgerechnet etwa 30 Euro. Hinzu kommen sehr hohe Arzneimittelpreise. »Des Weiteren ist es weder den Patienten noch den meisten Apothekerinnen und Apothekern in der Schweiz bekannt, dass es die Möglichkeit eines Rezepts aus der Apotheke überhaupt gibt. Wir müssen die Schweiz im Ergebnis also eher mit Deutschland in die Reihe der Rx-Länder einordnen. Dementsprechend fallen auch die Befragungsergebnisse in der Schweiz aus.«
Was sich aber sagen lässt: Wer aufgrund seiner Potenzprobleme einen Arzt konsultiert hatte, griff mit deutlich niedrigerer Wahrscheinlichkeit auf den Schwarzmarkt zurück und blieb auch seltener unbehandelt als Männer mit Eigendiagnose ohne Arztkontakt.