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Erektile Dysfunktion
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OTC-Zugang zu PDE-5-Hemmern verbessert Versorgung

Der Zugang zu einem PDE-5-Hemmer wie Sildenafil ist in Europa für Männer mit erektiler Dysfunktion sehr unterschiedlich. Eine Studie zeigt nun, dass in Ländern mit OTC-Freigabe sogar mehr Männer den Weg in ärztliche Behandlung finden und weniger wahrscheinlich auf den Schwarzmarkt zurückgreifen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 16.02.2026  18:00 Uhr

Norwegen: Mehr Rezepte als OTC-Käufe

Obwohl der einfachste Zugang zu PDE-5-Hemmern in Norwegen beobachtet wurde, wurde hier mit 54,5 Prozent auch die höchste Rate der Nutzung ärztlicher Rezepte (mit Einlösung in der Apotheke vor Ort) beobachtet. Darüber hinaus wurden häufig andere offizielle Zugangswege genutzt, darunter Online-Ärzte (33,7 Prozent) und Online-Apotheken mit Verordnung (25,5 Prozent), die jeweils den zweiten und dritten Platz der häufigsten Bezugsquellen für ED-Medikamente einnahmen. Auf Platz vier der Beschaffungswege blieben mit 21,4 Prozent die Schwarzmarktkanäle, während reine OTC-Optionen, sowohl in Apotheken vor Ort als auch in Online-Apotheken, nur von 10,1 beziehungsweise 8,2 Prozent der Teilnehmer genutzt wurden.

In Deutschland ist auffällig, dass der Schwarzmarkt mit 40,9 Prozent etwa genauso häufig genutzt wurde wie die Vor-Ort-Apotheke mit Rezept (40,6 Prozent). 34,3 Prozent hatten schon ein PDE-5-Hemmer-Rezept bei einer Online-Apotheke eingelöst und 32 Prozent sich dazu an einen Teledoktor gewandt.

Vertrauen in die Apotheke vor Ort nutzen

In Polen wurden die OTC-Möglichkeiten off- und online häufiger genutzt als das Einlösen eines Rezeptes. Hier lag die Selbstmedikation durch die Apotheke vor Ort mit 37,3 Prozent sogar auf Platz eins der Beschaffungswege. In der Schweiz nutzten dagegen nur 12,6 Prozent der Befragten die Möglichkeit, sich einen PDE-5-Hemmer vom Apotheker verordnen zu lassen.

Insgesamt kommt die Autorengruppe zu dem Schluss, dass ein vereinfachter Zugang zu Potenzmitteln ohne ärztliche Verordnung die Versorgung verbessern kann. Im OTC-Setting besuchten mehr Männer mit ED eine Apotheke und die Mehrheit von ihnen wurde an den Arzt verwiesen. »Angesichts des hohen Vertrauens, das Patienten in die Beratung durch Apotheker setzen, sollte diese Gelegenheit genutzt werden, um mögliche Grunderkrankungen, die eine erektile Dysfunktion verursachen, frühzeitig zu erkennen«, so May.

Vierter Anlauf für OTC-Switch in Deutschland?

Angesichts dieser Ergebnisse rechnen Bauer und May mit einem erneuten Versuch für einen OTC-Switch in Deutschland und hoffen, dass sich die Sachverständigen dieses Mal überzeugen lassen. Als das Thema zuletzt auf der Tagesordnung des Ausschusses stand, hätte vorab das Bundesministerium für Gesundheit mit Blick auf den Schwarzmarkt die Vorteile einer OTC-Freigabe im Sinne des Verbraucherschutzes betont, erinnert May. »Entscheidungen zur Entlassung aus der Verschreibungspflicht sollten nicht allein Risikoaspekte, sondern auch Versorgungsnutzen und soziökonomische Aspekte einbeziehen.«

Die nächste reguläre Ausschusssitzung findet im Juli statt. Eine Tagesordnung wurde noch nicht veröffentlicht. »Eine OTC-Freigabe könnte den unregulierten Gebrauch reduzieren und die Versorgung verbessern«, ist die Politikwissenschaftlerin Bauer überzeugt.

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