| Sven Siebenand |
| 22.06.2026 09:00 Uhr |
Die invasive Aspergillose ist eine lebensbedrohliche Pilzinfektion, die vor allem immungeschwächte Menschen betrifft. / © Getty Images/Science Photo Library/Kateryna Kon
Die invasive Aspergillose ist eine lebensbedrohliche Pilzinfektion, die vor allem immungeschwächte Menschen betrifft. Sie geht mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität einher. Für Betroffene, die nicht mit den verfügbaren Azol-Antimykotika behandelt werden können, sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Es gibt also Bedarf an weiteren neuen Wirkstoffen.
In diese Therapielücke könnten eines Tages Wirkstoffe aus der Klasse der Orotomide treten. Sie zielen selektiv auf ein Schlüsselenzym im Pyrimidin-Biosyntheseweg von Pilzen ab, die Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHODH). Das Enzym ist an der Synthese von DNA, RNA und Proteinen beteiligt. Die Hemmung von DHODH löst eine Kaskade vielfältiger zellulärer Effekte aus, die letztlich zum Absterben der Pilzzellen führt. Der am weitesten entwickelte Wirkstoff aus der Klasse der Orotomide ist Olorofim. Die Substanz kann oral verabreicht werden und ist wirksam gegen ein breites Spektrum von Aspergillus-Arten, einschließlich Stämmen, die gegen derzeit zugelassene Wirkstoffe resistent sind.
Die Unternehmen F2G und Shionogi informieren aktuell über positive Topline-Ergebnisse der Phase-III-Studie OASIS, in der Olorofim verglichen wurde mit Ambisome® (liposomales Amphotericin B zur Injektion) gefolgt von der Standardtherapie. Teilnehmende waren Patienten mit invasiver Aspergillose, deren Infektion entweder refraktär gegenüber einer Azol-Therapie war oder für eine solche nicht geeignet war.
Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt der Nichtunterlegenheit. Die Gesamtmortalitätsrate lag am Tag 42 für Olorofim bei 23,8 Prozent, verglichen mit 24,3 Prozent für Ambisome mit nachfolgender Standardtherapie. Die Rate der arzneimittelbedingten, während der Behandlung aufgetretenen unerwünschten Ereignisse betrug 35,8 Prozent für Olorofim und 63,9 Prozent für Ambisome, gefolgt von der Standardtherapie, wobei der Unterschied hauptsächlich auf die höhere Rate an renalen Ereignissen im Ambisome-Arm zurückzuführen war.
F2G und Shionogi planen, Daten aus dieser Studie bei den Zulassungsbehörden in den USA, in Europa und Asien einzureichen. Sollte Olorofim auf der Grundlage der Phase-III-OASIS-Daten zugelassen werden, wäre es das erste Präparat mit neuartigem Wirkmechanismus zur Behandlung der invasiven Aspergillose seit mehr als 20 Jahren.