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Stress, Angst, Depression
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Offene Placebos können auch ohne Arztbesuch wirken

Es ist bekannt, dass Placebos sogar helfen können, wenn der Patient weiß, dass er ein eigentlich wirkungsloses Mittel nimmt. Offene Placebos konnten in einer aktuellen Studie mittelschwere Symptome von Stress, Angst und Depressionen lindern – sogar ohne Vor-Ort-Besuch bei einem Arzt oder Therapeuten. Die Placebos erhielten die Teilnehmenden nach einer Online-Aufklärung per Post.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 27.08.2024  18:00 Uhr

Placebos können auch dann Symptome verbessern, wenn die Patienten wissen, dass es sich um Placebos handelt. Das haben bereits zahlreiche Untersuchungen gezeigt. Dafür ist offenbar nicht einmal ein persönlicher Arztbesuch notwendig, wie eine kleine, zweiwöchige Studie im Journal »Applied Psychology: Health and Well-Being« zeigt, bei der die Teilnehmenden die Placebos nach einer aufklärenden Online-Konsultation per Post erhielten. Symptome von moderatem Stress, Angst und Depressionen ließen sich dadurch statistisch signifikant senken.

Ein Team um Dr. Darwin A. Guevarra von der Michigan State University, USA, wertete die Daten von 61 Personen zwischen 18 bis 30 Jahren aus, die im Zuge der Covid-19-Pandemie unter moderatem Stress, Angst und Depressionen litten. Personen, bei denen eine psychische Erkrankung diagnostiziert worden war oder die Psychopharmaka einnahmen, wurden aus der Studie ausgeschlossen.

Beide Gruppen nahmen an insgesamt vier virtuellen Sitzungen teil, in denen die Symptome vor und zu Beginn, in der Mitte und am Ende der zweiwöchigen Studie erfasst wurden. 32 Teilnehmende erhielten darüber hinaus keine weitere Intervention (Kontrollgruppe). Die 29 Teilnehmenden der Placebogruppe erhielten per Post offene Placebos, nachdem sie über den Placebo-Effekt informiert wurden. 

Signifikant weniger Stress, Angst und affektive Symptome

Aus den berichteten Symptomen errechneten die Forschenden Effektstärken. Placebo erwies sich dabei als überlegen gegenüber keiner Behandlung: Allgemeiner Stress reduzierte sich unter Placebo um 7,52 Einheiten von Studienbeginn bis Ende, in der Kontrollgruppe um 2,56 Einheiten. Angstsymptome nahmen in der Placebogruppe um 6,62 und in der Kontrollgruppe um 1,88 Einheiten ab, Depressionssymptome reduzierten sich um 9,76 beziehungsweise 2,44 Einheiten. Lediglich bei Covid-19-bezogenem Stress gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

»Wir freuen uns, dass eine Intervention, die nur minimalen Aufwand erfordert, dennoch signifikante Vorteile bringen kann«, äußert sich Seniorautor Professor Dr. Jason Moser in einer Pressemitteilung seiner Universität. »Die Möglichkeit, offene Placebos per Fernkonsultation zu verabreichen, erhöht das Skalierungspotenzial dramatisch«, ergänzt Erstautor Guevarra. Dies ermögliche es auch, Personen mit psychischen Gesundheitsproblemen zu helfen,  die sonst keinen Zugang zu traditionellen psychischen Gesundheitsdienstleistungen hätten – insbesondere in den USA ist dies häufig, da viele Menschen nicht krankenversichert sind.

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