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Dosis, Hilfsstoffe, Health Claims
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Ökotest bewertet Vitamin-B12-Präparate

Ökotest hat 29 Vitamin-B12-Präparate ins Labor geschickt. Die Arzneimittel schneiden fast alle gut oder sehr gut ab, ebenso einige Nahrungsergänzungsmittel von Drogerien und Discountern. Dagegen fallen Vitasprint und die Eigenmarke von Doc Morris durch.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 26.01.2023  09:00 Uhr

Oft bewerten Stiftung Warentest und Ökotest Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel nur anhand ihrer Angaben und der Studienlage. Vitamin-B12-Präparate hat sich der pharmazeutische Chemiker Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Mitglied der PZ-Chefredaktion, im Auftrag von Ökotest genau angesehen. Zusätzlich hat das Verbraucherschutzmagazin die 29 Präparate aber auch ins Labor geschickt, um die deklarierte Wirkstoffmenge überprüfen zu lassen und die Verpackungen auf chlorierte Verbindungen zu testen. Zudem prüfte Ökotest die Hilfsstoffe und gibt an, welche Präparate als vegan einzustufen sind.

Zunächst lobt Ökotest, dass die Wirksamkeit von drei apothekenpflichtigen Arzneimitteln ausreichend belegt sei. Dabei handelt es sich um B12-Asmedic® Tropfen, B12 Ankermann® 1000 µg Tabletten und Vitamin B12-Ratiopharm® 10 µg Tabletten. Gleiches gilt für die als bilanzierte Diät zugelassenen Vitamin B12-Loges® 1000 µg Kapseln. Leichten Abzug gibt es bei Ankermann und Ratiopharm für den Hilfsstoff Titandioxid, der seit dem vergangenen Jahr in Lebensmitteln verboten ist, in Medikamenten jedoch bislang noch nicht. Die B12-Asmedic-Tropfen bekommen dagegen trotz des enthaltenen Propylparabens ein »sehr gut«.

Hart ins Gericht geht Ökotest mit Vitasprint B12 Trinkfläschchen, die als traditionelles Arzneimittel zugelassen sind. Dabei stört vor allem die Bewerbung als »Energietonikum bei herabgesetzter Leistungsfähigkeit«. Hersteller GSK wirbt auch mit dem Claim »traditionell angewendet zur Besserung des Allgemeinbefindens«. Das sieht Ökotest nicht als ausreichend belegt an und zieht vier Noten ab. Weder auf der Verpackung noch im Beipackzettel findet sich ein Hinweis darauf, dass es bei veganer oder streng vegetarischer Ernährung zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen kann. Das ergibt noch mal zwei Noten Abzug, sodass Vitasprint mit einem »ungenügend« sogar auf dem letzten Platz landet, noch dazu als teuerstes Produkt im Test.

Nahrungsergänzungsmittel zu hoch dosiert

»Mangelhaft« schneiden nur zwei Nahrungsergänzungsmittel ab: Bei den Vitamin-B12-Minitabletten von Doc Morris fand das Labor 50 Prozent mehr Vitamin als die deklarierte Konzentration, in den Vitamaze Vitamin B12-Tropfen 20 Prozent weniger. Beide Produkte überschreiten deutlich die Höchstmengen-Empfehlung für Vitamin B12 des Bundesinstituts für Risikobewertung von maximal 25 µg pro Tag; dafür gibt es Punktabzug.

Damit stehen die beiden Produkte jedoch nicht allein da: Fast alle frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmittel sind demnach teils deutlich überdosiert (bis zu 500 µg), während lediglich drei Produkte unter 25 µg bleiben. Der tatsächliche Bedarf an Vitamin B12 ist ohnehin viel geringer: Jugendliche und Erwachsene brauchen schätzungsweise 4 µg pro Tag, Schwangere und Stillende etwas mehr (4,5 beziehungsweise 5,5 µg).

Sehr hoch dosiert mit 1000 µg sind das Arzneimittel B12 Ankermann (es gibt von Ankermann auch eine 100-µg-Version als Nahrungsergänzungsmittel) sowie die bilanzierte Diät von Dr. Loges. Überschüssiges Vitamin B12 scheidet der Körper aus und produziert damit laut Ökotest »sozusagen jede Menge teuren Urin«.

Ökotest empfiehlt nur Veganern und streng vegetarisch ernährten Menschen, ein Vitamin-B12-Präparat auf eigene Faust anzuwenden und einmal im Jahr den Spiegel vom Arzt bestimmen zu lassen. Viele Präparate, aber nicht alle, sind als vegan ausgelobt, ausgerechnet die drei Arzneimittel jedoch nicht. Diagnose und Behandlung eines Vitamin-B12-Mangels zum Beispiel aufgrund einer Magen-Darm-Erkrankung gehören in ärztliche Hand, Gleiches gilt dann für die Dosierung.

Ökotest-Redakteurin Annette Dohrmann erinnert aber auch daran: »Die meisten Menschen brauchen kein extra Vitamin B12. Anbieter sollten daher nicht mit der diffusen Angst vor vermeintlichen Nährstoffmängeln Kasse machen.«

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