| Annette Rößler |
| 12.02.2026 09:00 Uhr |
Auch Harnwegsinfekte, insbesondere mit Bakterien der Gattung Proteus, sind potenzielle Auslöser von Nierensteinen: Die Bakterien spalten den im Urin vorhandenen Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid, wodurch der pH-Wert steigt und das Ausfallen von Struvit begünstigt wird. Die resultierenden Steine sind bakteriell besiedelt und werden dementsprechend auch als Infektions- oder Infektsteine bezeichnet.
Dagegen galten die sehr viel häufigeren CaOx-Steine bislang als abiotisch und nicht infektiös. Man ging davon aus, dass Bakterien bei ihrer Entstehung keine Rolle spielen. Dies widerlegen die Autoren in ihrer Publikation. Anhand elektronenmikroskopischer Aufnahmen von sowohl Struvit- als auch von CaOx-Steinen sowie anschließender DNA-Analyse legen sie dar, dass Bakterien ziemlich sicher einen unverzichtbaren Beitrag zur Bildung auch der CaOx-Steine leisten. Dies war bisher noch nicht entdeckt worden, da die meisten der beteiligten Bakterien außerhalb ihres Habitats nicht kultivierbar sind.
Aus seinen detaillierten Analysen schließt das Team um Schmidt, dass die CaOx-Kristalle der Nierensteine schichtweise wachsen, wobei bakterielle Biofilme, die die Oberfläche des sich bildenden Steines besiedeln, jeweils als Ausgangspunkt für weitere Schichten fungieren. Die zuvor für abiotisch gehaltenen Steine seien deshalb in Wirklichkeit durchsetzt von Bakterien, die am Wachstum des Steines einen entscheidenden Anteil haben: Um zu überleben, müssten Bakterien nämlich einen großen Calcium-Konzentrationsgradienten aufrechterhalten und dafür mithilfe spezieller ATPasen ständig Calcium aus der Zelle herauspumpen. Auch könne extrazelluläre bakterielle DNA, die von Bakterien in Biofilmen freigesetzt werde, mit Calciumionen Komplexe bilden. Calcium kann dann schließlich mit dem Urinbestandteil Oxalsäure reagieren und ausfallen.
Die Bildung von Biofilmen zu verhindern beziehungsweise vorhandene Biofilme zu beseitigen, könnte somit ein therapeutischer Ansatz bei CaOx-Nierensteinen sein, schlussfolgern die Autoren. Das klingt plausibel, dürfte allerdings äußerst schwierig sein, da Biofilme sehr stabil und unempfindlich gegen äußere Einflüsse sind.