| Cornelia Dölger |
| 25.02.2026 18:00 Uhr |
Inhaberin Katja Kesselmeier betont, es sei wichtig, auch bei Rückschlägen nicht zu resignieren, nicht ins Jammern zu verfallen, ohne aktiv etwas für seine Belange zu tun. / © privat
Doch die Apothekerin ließ nicht locker. Dass es gemeinsam besser klappt, zeigte sich schnell, als Kesselmeier eine Online-Anmeldeliste für die Proteste zusammenstellte, auf der zu sehen war, wer sich alles schon fürs Mitmachen entschieden hatte. Durch den Verteiler habe sich eine Dynamik entwickelt, die auch die Zögerlichen am Ende überzeugte – »und ich habe gemerkt: Mensch, wir schaffen es ja doch, wir können ja doch zusammenhalten«, so Kesselmeier.
Wer sich aber einen schnellen Erfolg vorstellte, wurde enttäuscht – bis heute gibt es keine Honoraranpassung, stattdessen wiederholtes In-Aussicht-Stellen von Verbesserungen, das die Apothekenteams allmählich verärgert.
Sie könne den Unmut nachvollziehen, sagt Kesselmeier. Der Prozess sei zäh, es gebe viele Rückschläge. Sie wundere sich nicht über Fragen von Kolleginnen und Kollegen, wo denn die Früchte ihres Einsatzes blieben. »Ich kann das verstehen.«
Man habe doch zusammengehalten – und nun sei ja offensichtlich, dass dies nichts bringe. Solche ratlosen, teils frustrierten Kommentare höre sie regelmäßig. Wie sie darauf reagiert? »Gebetsmühlenartig motivieren«, sagt sie und lacht. Über ausbleibende Erfolge erst einmal enttäuscht zu sein, sei menschlich. Es sei wichtig, nicht zu resignieren, nicht ins Jammern zu verfallen, ohne aktiv etwas für seine Belange zu tun.
Ganz niedrigschwellig hat die Apothekerin dafür in Paderborn einen Apothekenstammtisch gegründet, wo man sich regelmäßig zum Austausch und zur Diskussion treffe – in eher kleinen Runden, aber mit dem festen Ziel, gemeinsam Ideen und Lösungen zu finden. Und weil es auch hier gemeinsam besser klappt: Den Stammtisch wie auch den Protesttag sowie alle regionalen Aktionen ging Kesselmeier gemeinsam mit dem Kreisvertrauensapotheker Philipp Hoffmann an.
Die gemeinsame Anstrengung, das Zusammenhalten habe dem Berufsstand schon etwas gebracht, findet Kesselmeier. Es sei nötig, das berufliche Selbstbild an die stets wachsenden Herausforderungen anzupassen. Sich auf die eigenen Stärken zu besinnen, sei dafür essenziell. »Wir müssen darüber nachdenken, welche Rolle wir als Apotheken haben wollen, müssen selbst verstehen, dass wir eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung sind – und dies auch nach außen verkörpern.«
Sie selbst hat aus den Protesten einige Motivation gezogen, sich weiter für den Berufsstand einzusetzen. Nicht nur hat sie im November 2023 einen Doppeldecker-Bus vollgeladen, um mit möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen beim zentralen Apothekenprotest in Dortmund vor Ort zu sein. Im selben Monat ließ sie sich zudem in den Vorstand des Verbands wählen und engagiert sich für ihre Kolleginnen und Kollegen.