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Autonome diabetische Neuropathie
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Nicht schmerzhaft, aber äußerst schädlich

Eine Neuropathie bei Diabetes mellitus kann auch das autonome Nervensystem betreffen, das die unwillkürlichen Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag und Verdauung reguliert. Die Nervenschädigung kann bereits früh im Krankheitsverlauf auftreten. Wie lässt sie sich erkennen?
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 13.06.2025  18:00 Uhr

Drei Stunden pro Woche bewegen

»Sport verbessert die autonome Funktion in einem gewissen Grad«, sagte Bönhof dazu. Mindestens drei Stunden pro Woche sollten Patienten sportlich aktiv sein. Besonders bewährt habe sich ein hochintensives Intervalltraining (HIIT), aber die sportliche Betätigung müsse nicht unbedingt intensiv sein – schon etwas Bewegung ist besser als gar keine Bewegung. Um die Intensität des Trainings zu beurteilen, sei die Herzfrequenz bei Patienten mit KADN nicht der ideale Marker. »Stattdessen sollte man berücksichtigen, wie sich die Patienten dabei fühlen«, erklärte der Mediziner.

Sind bei einer ADN Nerven betroffen, die den Verdauungstrakt innervieren, kann sich das durch eine Obstipation, aber auch durch Durchfälle bis hin zur Stuhlinkontinenz äußern. Die Symptome seien unspezifisch, so Bönhof, weshalb meistens erst einmal andere Erklärungen herangezogen würden. Besonders schwierig sei es, wenn bei einem Patienten infolge einer ADN die Magenentleerung verzögert sei. Dann könne es zu schweren Unterzuckerungen kommen, wenn etwa ein Mahlzeiteninsulin gespritzt wurde, der Speisebrei aber noch im Magen verbleibt und deshalb kein adäquater Blutzuckeranstieg stattfindet. Auch ein sprunghafter Anstieg des Blutzuckers sei möglich, wenn plötzlich sehr viel Mageninhalt auf einmal in den Darm gelangt.

Motilitätsfördernde Arzneimittel seien in dieser Situation keine dauerhaft tragfähige Lösung, denn sie könnten nur für kurze Zeit und off Label verordnet werden. Besser geeignet, um Blutzuckerspitzen oder -täler infolge einer Gastroparese zu verhindern, seien kontinuierliche Glucosemesssysteme gekoppelt mit Pumpen. Ein weiteres Problem, das mit ADN-bedingten Motilitätsstörungen einhergeht, lässt sich dadurch allerdings nicht beheben: Laut Bönhof kann eine bakterielle Fehlbesiedelung des Darms begünstigt werden.

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