| Daniela Hüttemann |
| 09.04.2026 11:30 Uhr |
Maximal 25 Straßenkilometer sollen die Patientinnen und Patienten in Niedersachsen es bis zur nächsten Notdienstapotheke haben. / © Imago/C. Hardt/Future Image
Es wird bereits seit langer Zeit in Niedersachsen diskutiert – schon auf den Kammerversammlungen im April und November 2025 war eine neue Notdienstplanung Thema. Nach sorgfältiger Vorbereitung und erneuter Diskussion verabschiedeten die Delegierten der Apothekerkammer Niedersachsen bei der Kammerversammlung am Mittwoch die neue Notdienstrichtlinie. Schon zu 2027 soll auf eine digitale, arrhythmische Planung umgestellt werden, wie es bereits in benachbarten Kammerbezirken wie Hamburg und Hessen der Fall ist.
Es gelte, viele Interessen sorgfältig gegeneinander abzuwägen, betonte die juristische Geschäftsführerin Marion Eickhoff. Die Leitplanke sei immer ein Interessenausgleich zwischen Apothekenpersonal und Bevölkerung, zwischen zumutbarer Belastung der einzelnen Apotheke gegenüber einer zumutbaren Entfernung für die Patienten.
Die fortlaufenden Apothekenschließungen erhöhen die Anzahl der Notdienste der verbliebenen Apotheken, mit hoher Frequenz vor allem in ländlichen Regionen. Dieser Faktor erschwere dort auch die Nachfolgersuche, erläuterte Eickhoff. Ziel der neuen Regelung sei eine gerechtere Verteilung. Denn aktuell müssen manche Apotheke nur um die zehn Notdienste pro Jahr leisten, im Extremfall seien es jedoch 70.
Mit dem neuen System werden die Notdienstkreise nun aufgelöst, die Apothekenstandorte geocodiert und die Dienste arrhythmisch durch einen Algorithmus verteilt, inklusive »Feiertagsgerechtigkeit«, organisiert durch die Kammer. Es gilt: Im Filialverbund sind dessen Apotheken nicht am selben Tag betroffen. Teildienste (Spät- und Ergänzungsdienste), die Apotheken bislang nicht durch die Notdienstpauschale vergütet bekommen, werden grundsätzlich gestrichen, können aber weiterhin angeordnet werden. Es wird ein einheitlicher Dienstwechsel jeden Tag um 08:30 Uhr festgelegt.
Die minimale Dienstzahl wird bei zehn Diensten pro Jahr und die maximale Zahl bei 36 liegen, verkündete Eickhoff. Apotheken am Rand von Großstädten werden voraussichtlich mehr Notdienste bekommen, Apotheken in der ländlichen Mitte dagegen entlastet. 43 Prozent der Apotheken werden mehr Dienste leisten müssen, für 45 Prozent werden es weniger Dienste sein, bei den restlichen 12 Prozent bleibt es gleich.