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Grippeviren
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Neue Influenza-H3N2-Subklade breitet sich aus

Noch hat die Grippewelle in Deutschland nicht begonnen. Laut dem Portal GrippeWeb liegt die Inzidenz für alle akuten Atemwegserkrankungen noch im »niedrigen« Aktivitätsbereich. Aber für Gelassenheit besteht kein Anlass. Denn aus anderen Ländern und Regionen, darunter auch Großbritannien, wird von einer neuen H3N2-Subklade berichtet, deren Antigene nicht in den aktuellen Grippeimpfstoffen enthalten sind.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 19.11.2025  18:00 Uhr

Die Situation für Deutschland

Für Deutschland ergeben sich aus dieser Gemengelage mehrere Implikationen.

  1. Angesichts der starken H3N2-Subklade-K-Dominanz in UK, Japan und nachlaufend auch in Nordamerika sowie des australischen Signals ist von einer erheblichen Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass auch hierzulande diese Variante im weiteren Saisonverlauf an Bedeutung gewinnt, entweder in Form einer früh einsetzenden Welle, wie sie derzeit im Vereinigten Königreich beobachtet wird, oder als spätere Epidemiewelle, die einer von H1N1 dominierten Phase folgen könnte.
  2. Wegen der reduzierten VE bei Erwachsenen sollte man sich mit einem im Vergleich zu »gut passenden« H3N2-Saisons auf ein erhöhtes Erkrankungsrisiko in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung einstellen. Die gute Wirksamkeit bei Kindern spricht allerdings dafür, dass eine konsequente Durchimpfung dieser Gruppe die Transmission insgesamt dämpfen wird und die Belastung von Schulen und Familien reduzieren kann. Allerdings besteht in Deutschland keine STIKO-Empfehlung für alle Kinder zur Grippeimpfung.
  3. Die derzeit noch niedrige ILI-Aktivität in Deutschland sollte als Zeitfenster genutzt werden, um Impfkampagnen insbesondere bei älteren Menschen, Personen mit chronischen Grunderkrankungen, bei Schwangeren und bei Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind, energisch zu forcieren. 

Die Erfahrungen aus Australien und UK legen nahe, dass die Hauptlast der stationär zu behandelnden Influenza-Infektionen bei älteren Erwachsenen liegen wird, während Kinder proportional häufiger infiziert werden, aber bei guter Impfquote relativ besser geschützt sind.

Masken, Lüften, Testen

Neben der Impfung kommen auch die klassischen nicht pharmakologische Maßnahmen (Maskentragen in hochfrequentierten Innenräumen, verbesserte Lüftung, Testung und Selbstisolation bei Symptomen) als Ergänzung in Betracht, zumal parallel weiterhin eine Covid-19-Aktivität beobachtet wird.

Schließlich unterstreichen die internationalen Berichte die Bedeutung einer robusten virologischen Surveillance. Der Ausfall beziehungsweise die starke Verzögerung nationaler Surveillance-Daten in den USA durch politische und administrative Turbulenzen wird von Fachleuten ausdrücklich als Risiko benannt, weil damit ein wichtiges Frühwarnsystem für Nordamerika und indirekt auch Europa geschwächt ist.

Fazit: Deutschland steht derzeit noch am Beginn der Grippesaison mit niedriger ILI-Aktivität, während in UK, Japan und auf der Südhalbkugel bereits eine von der H3N2 Subklade K geprägte, teils sehr früh einsetzende und intensive Saison zu beobachten ist. Ein relevanter, aber nicht vollständiger Mismatch zwischen Impfstoff und zirkulierender Variante reduziert vor allem bei Erwachsenen die Wirksamkeit, lässt aber insbesondere bei Kindern und hinsichtlich der Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe weiterhin einen substanziellen Nutzen der Impfung erwarten. 

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