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Dexpanthenol

Neue Forschung zu altem Wirkstoff

Seit fast 70 Jahren wird Dexpanthenol (Bepanthen® und Generika) topisch bei kleinen Wunden eingesetzt. Trotz des hohen Alters des Wirkstoffs wird weiter geforscht: Mit dreidimensionalen Hautmodellen und Genexpressionsanalysen sind Wissenschaftler dem genauen Wirkmechanismus und neuen Einsatzgebieten auf der Spur.
Verena Arzbach
14.11.2018
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Dexpanthenol ist ein stabiler Alkohol der Pantothensäure, die auch als Vitamin B5 bezeichnet wird. »Pantothensäure ist ein essenzieller Nahrungsbestandteil und vor allem in fetthaltigen Nahrungsmitteln wie Fleisch oder Nüssen enthalten«, berichtete Professor Dr. Ehrhardt Proksch von der Universitäts-Hautklinik in Kiel bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer in Köln. Vitamin B5 ist eine Komponente von Coenzym A, welches an zahlreichen Prozessen im Lipidstoffwechsel beteiligt ist, unter anderem an der Aufrechterhaltung einer normalen epithelialen Funktion.

In topischer Formulierung auf die Haut gebracht, dringt Dexpanthenol dort ein und wird enzymatisch in Pantothensäure umgewandelt. Studien belegten, dass durch die Behandlung mit Dexpanthenol das Stratum corneum besser hydratisiert und der transepidermale Wasserverlust begrenzt wird, berichtete Proksch. »Das hilft, die gestörte Hautbarriere zu stabilisieren und stimuliert die Regeneration der Haut«, so der Dermatologe. Bereits seit 1953 ist außerdem eine antimikrobielle Wirkung des Dexpanthenols belegt.

3-D-Hautmodell

Aktuelle Forschung mithilfe dreidimensionaler Hautmodelle und Genexpressionsanalysen sollen dabei helfen, die Effekte des Wirkstoffs genauer aufzuklären. Wissenschaftler um Professor Dr. Jens Malte Baron vom Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen hatten beispielsweise per CO2-Laser bei einem 3D-Hautmodell Schürfwunden-ähnliche Verletzungen induziert und stellenweise die Epidermis und obere Dermis abgetragen. Die anschließende Behandlung mit 5-prozentigen Dexpanthenol-haltigen Wasser-in-Öl- und Öl-in-Wasser-Emulsionen habe zu einem verbesserten und schnelleren Wundverschluss als eine Vaseline-Behandlung geführt, berichtete Dermatologe Baron.

Bislang wird Vaseline von Laserherstellern standardmäßig nach einer Laserbehandlung empfohlen. »Nach drei Tagen waren die Wunden deutlich besser verschlossen als bei den Vaseline-Kontroll-Präparaten, an Tag 5 waren sie fast vollständig verschlossen«, sagte Baron.

Die Forscher haben außerdem auf genetischer Ebene nachgewiesen, dass Dexpanthenol den Wundheilungsprozess fördert. »In-vitro-Untersuchungen an Zellkulturen unserer Arbeitsgruppe zeigen, dass Dexpanthenol und Pantothenat einen signifikanten Einfluss auf Proliferation, Migration und Genexpression von Fibroblasten der menschlichen Dermis haben«, berichtete Baron. Bei Hautmodellen, die nach der Laserbestrahlung mit Pantothenat kultiviert wurden, waren demnach einzelne für die Wundheilung relevante Gene, beispielsweise das Gen für die Matrix-Metalloproteinase MMP3, hochreguliert. Das betraf vor allem Gene, die für frühe Phasen der Wundheilung wichtig sind.

Barons Fazit: »Diese Daten legen nahe, dass Dexpanthenol-haltige Salben in der Klinik und in der Selbstmedikation direkt nach einer ablativen Laserbehandlung ein- bis zweimal täglich für mindestens drei bis fünf Tage verabreicht werden sollten.«

Die positiven Effekte insbesondere in der frühen Phase der Wundheilung sind laut Baron aktuell in einer klinischen, bislang allerdings noch nicht veröffentlichten Studie bestätigt worden. Gemessen wurde der relative Wunddurchmesser nach einer CO2-Lasertherapie von lichtgeschädigter Haut. An Tag 1, 2 und 5 nach der Laserbehandlung sei die topische Dexpanthenol-Therapie der Vaseline bezüglich visueller und kosmetischer Beurteilung durch Arzt und Patient überlegen gewesen.

Neue Einsatzgebiete

Derzeit laufen weitere Untersuchungen, die den Einfluss von Dexpanthenol beispielsweise auf Hautmodelle untersuchen, bei denen Tattoos per Laser entfernt wurden. Auch Untersuchungen zum Einsatz von Dexpanthenol beim Microneedling, einem vor allem kosmetisch eingesetzten Verfahren, bei dem mit vielen kleinen Nadeln Löcher in tieferen Hautschichten gesetzt werden, sind laut Baron vorstellbar.

DOI: 10.1002/lsm.22341
DOI: 10.1159/000341144

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