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Neue Antibiotika gegen gramnegative Bakterien

Die Lipid-A-Biosynthese ist für die Bildung der äußeren Membran der meisten gramnegativen Bakterien essenziell. Daher bietet sie sich als Ziel für die Entwicklung neuer Antibiotika an. Diese Strategie nutzt ein neues Antibiotikum mit dem Entwicklungsnamen LPC-233.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 14.08.2023  09:00 Uhr

Toxikologisches Profil unauffällig

Da LPC-233 eine metallchelatbildende Hydroxamatgruppe enthält, die möglicherweise menschliche Metalloenzyme hemmen könnte, untersuchten Forschenden die hemmende Wirkung von LPC-233 gegen verschiedene humane Matrix-Metalloproteinasen (MMP). Es zeigte sich, dass LPC-233 bei einer Konzentration von 30 μM die getesteten menschlichen MMP nicht signifikant hemmt.

In-vitro-Toxizitätstests an humanen embryonalen Nierenzellen (HEK) ergaben, dass eine Behandlung mit LPC-233 nur begrenzte Auswirkungen auf die Zelllebensfähigkeit hatte, wobei der LD50-Wert über 128 μg/ml lag.

Auch in Toxikologie-Studien an Ratten wurde LPC-233 im Allgemeinen klinisch gut vertragen, wobei bei 250 mg/kg pro Tag nur ein leichter Rückgang der Nahrungsaufnahme und ein leichter, vorübergehender Verlust an Körpergewicht beobachtet wurde. Es wurden keine mit LPC-233 zusammenhängenden unerwünschten Wirkungen auf Organgewichte oder auf die Histopathologie untersuchter Organe beobachtet.

Resistenzentwicklung möglich

Die Forschenden untersuchten auch, wie schnell sich eine Resistenz gegen LPC-233 entwickeln kann und verwendeten Ciprofloxacin als Vergleichssubstanz. Dazu ließ man E. coli- und K. pneumoniae- über 35 Passagen in Gegenwart subletaler Konzentrationen (0,5 × MHK) von LPC-233 wachsen.

Es zeigte sich, dass sich eine Resistenz gegen LPC-233 bei den verwendeten Bakterienstämmen (E. coli W3110 und K. pneumoniae 10031) ähnlich schnell oder geringfügig langsamer entwickelte als gegen Ciprofloxacin.

Wirksamkeit im Tierversuch

In Wirksamkeitsstudien an Mäusen zeigte sich, dass LPC-233 in einer Dosierung von nur 1 mg/kg alle 12 Stunden die bakterielle Belastung im Vergleich zur Vehikel-Kontrollgruppe deutlich reduzierte. Die Behandlung mit LPC-233 in Dosen von ≥10 mg/kg alle 12 Stunden senkte die bakterielle Belastung unter die der Polymyxin B (10 mg/kg, alle 12 Stunden)-positiven Kontrollgruppe, was die hervorragende Wirksamkeit von LPC-233 bei Mäusen belegt.

Schließlich untersuchten die Forschenden noch, ob Mäuse durch Behandlung mit LPC-233 vor einer tödlichen Infektion durch den multiresistenten E. coli-Stamm NDM-1 (ATCC:BAA-2471) gerettet werden können. Dabei zeigte sich, dass alle mit dem Vehikel behandelten Mäuse innerhalb von 72 Stunden starben, während die mit LPC-233 behandelten Gruppen ein dosisabhängiges Überleben zeigten, mit einem angepassten medianen effektiven Dosiswert (ED50) von 3,6 mg/kg alle 12 Stunden, entsprechend 7,2 mg/kg pro Tag.

90 Prozent der mit LPC-233 (10 mg/kg alle 12 Stunden) behandelten Mäuse und alle Mäuse, die mit 30 mg/kg alle 12 Stunden LPC-233 behandelt wurden, überlebten während der Behandlungs- und Nachbeobachtungszeit.

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