| Jennifer Evans |
| 01.10.2026 07:00 Uhr |
Risiko Abendmensch: Wenn es blöd läuft, kann die innere Uhr die eigene Karriere verkürzen. / © Shutterstock/fast-stock
Wer spät schlafen geht und morgens nur langsam in die Gänge kommt, hat möglicherweise schlechtere Chancen, bis zum regulären Rentenalter berufstätig zu bleiben. Zu diesem Schluss kommt eine finnische Langzeitstudie, die online im Fachjournal »Occupational & Environmental Medicine« erschienen ist.
Menschen mit einem Abend-Chronotyp hatten demnach ein 1,7-fach höheres Risiko, innerhalb von zwölf Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente zu beziehen, als Personen mit einem Morgen-Chronotyp. Der Chronotyp bezeichnet den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers. Menschen lassen sich dabei in drei Hauptgruppen einteilen: Morgen-, Zwischen- und Abendtypen.
Das Forschungsteam um Hauptautor Tapio Räihä von der Medizinischen Fakultät der finnischen Universität Oulu wertete Daten von 5679 Personen einer seit 1996 laufenden Bevölkerungsstudie aus, die 2012 im Alter von 46 Jahren Fragen zu ihrem Schlafverhalten beantworteten. Dazu gehörte, wie leicht sie morgens aufwachen, wie müde sie in der ersten halben Stunde sind, wann sie am liebsten arbeiten und ob sie sich selbst als Morgen- oder Abendmensch einstufen.
Anschließend verknüpften die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Angaben mit finnischen Registerdaten zu Beschäftigung und Rentenbezug. Während der zwölfjährigen Nachbeobachtung erhielten 384 Personen erstmals eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Der Zusammenhang zwischen Abend-Chronotyp und erhöhtem Rentenrisiko zeigte sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen und war unabhängig von Bildung und Beruf.
Das Autorenteam vermutet bei Abend-Chronotypen einen schlechteren Gesundheitszustand. Diese hätten wahrscheinlich ungesundere Lebensgewohnheiten sowie eine gestörte innere Uhr, die zu Schlafproblemen führen könne, heißt es.
Da der Chronotyp sich im Lebensverlauf kaum verändere und eine starke genetische Komponente habe, halten die Forschenden den inneren Rhythmus für ein relevantes Merkmal langfristiger Erwerbsfähigkeit.
Es handelt sich jedoch um eine Beobachtungsstudie, die nichts über Ursache und Wirkung aussagt. Zudem hat sie mögliche Veränderungen von Gesundheit und Lebensumständen im Untersuchungszeitraum nicht erfasst.