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Pflegefall Schlaganfall
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Nachsorge muss optimiert werden

In Deutschland erleiden etwa 270.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall. Während es für die Akutbehandlung und Sekundärprävention aktuelle und evidenzbasierte Leitlinien gibt, ist die Schlaganfall-Nachsorge bisher weder strukturell noch konzeptionell standardisiert.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 23.06.2023  12:30 Uhr

»Im Grunde ist es ziemlich ernüchternd: Trotz erheblicher Therapiefortschritte bleiben nach wie vor bei rund einem Drittel der Schlaganfall-Patienten erhebliche Einschränkungen in der Teilhabe am Leben und enorme familiäre und soziale Belastungen bestehen«, sagte Professor Dr. Andreas Meisel von der Charité Berlin vergangenes Wochenende bei der Zentralen Fortbildung der LAK Hessen in Gießen.

In der Akutversorgung habe man in den vergangenen dreißig Jahren lediglich ein um 14 Prozent verbessertes Outcome erzielt, stellte der Neurologe Studiendaten einer JAMA-Veröffentlichung vor, und das trotz evidenzbasierter Akut-Behandlungskonzepte wie frühe Acetylsalicylsäure, Thrombolyse, Stroke-Unit-Versorgung, Thrombektomie und Hemikraniektomie.

Nach wie vor gelte der viel zitierte Satz »Time is Brain«. Um Schäden gering zu halten, muss die Durchblutung der Gehirnzellen so schnell es geht wiederhergestellt werden. »Die Zeit bis zur Reperfusion korreliert mit dem Outcome und erfolgt optimalerweise innerhalb einer Stunde«, sagte Meisel. Die Art der Behandlung hängt davon ab, ob ursächlich ein Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn vorliegt.

Nach dem Schlaganfall: Blutverdünner ist Pflicht

Zur frühen Sekundärprävention erhalten Patienten mit ischämischem Schlaganfall laut Leitlinie innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Hirninsult eine Dosis von 100 bis 300 mg Acetylsalicylsäure (ASS). Zur Langzeittherapie stehen prinzipiell niedrig dosierte ASS (100 mg), die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban oder Dabigatran oder auch die klassischen Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon zur Verfügung.

»Durch die Einführung der DOAK hat es einen enormen Fortschritt in der Sekundärprophylaxe gegeben. Die DOAK werden sich durchsetzen. Dabei ist Apixaban vermutlich am kosteneffektivsten zur Schlaganfallprävention bei Vorhofflimmern. Vitamin-K-Antagonisten halte ich für verzichtbar«, ist Meisel überzeugt.

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