| Melanie Höhn |
| 03.06.2026 14:55 Uhr |
Das Eckpunktepapier beschreibt Handlungsbedarfe in neun Kernbereichen: Governance, Prävention, Versorgungsplanung, ambulante, pflegerische und stationäre Versorgung sowie Arzneimittel, Medizinprodukte, Abfallreduktion, Transport und Digitalisierung. / © Imago Images/Bihlmayerfotografie
Die Initiative will ein deutliches Signal an die Politik senden: Nachhaltigkeit soll in den anstehenden Strukturreformen verbindlich verankert werden, damit das deutsche Gesundheitswesen langfristig finanzierbar bleibt und den internationalen Anschluss nicht verliert.
Diese Forderungen haben der BKK Dachverband, die Bundesärztekammer, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie und das Centre for Planetary Health Policy heute vorgestellt. Die Eckpunkte sollen in Kürze dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie den Mitgliedern des Deutschen Bundestags übergeben werden. Die Initiative wird inzwischen von 33 Organisationen, darunter auch der ABDA, unterstützt.
Das Eckpunktepapier sei kein fertiger Maßnahmenplan, so die Initiatoren, sondern ein strategischer Rahmen sowie ein Angebot an die Politik, Nachhaltigkeit als Grundbedingung für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem zu verankern.
Das Eckpunktepapier beschreibt Handlungsbedarfe in neun Kernbereichen: von Governance, Prävention und Versorgungsplanung über ambulante, pflegerische und stationäre Versorgung bis hin zu Arzneimitteln, Medizinprodukten, Abfallreduktion, Transport und Digitalisierung. Die Initiatoren fordern, diese Eckpunkte unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit zu einer verbindlichen Strategie weiterzuentwickeln. Dabei gehe es nicht um weniger Versorgung, sondern um bessere. »Wirksam, präventiv, ressourcenschonend und am tatsächlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten orientiert«, sagte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes..
»Nachhaltigkeit ist kein Add-on, um das wir uns erst kümmern können, wenn andere Probleme im Gesundheitswesen und in der GKV gelöst sind«, so Klemm. »Inzwischen ist sie die Grundvoraussetzung und einer der größten Hebel für die langfristige Versorgungssicherheit, die Versorgungsqualität und die Finanzierbarkeit unseres Gesundheitssystems.«
Zudem sei Nachhaltigkeit ein wichtiger Standortfaktor für Deutschland. Kurzfristige Kostendämpfung allein würden die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens nicht lösen. Langfristige Stabilität könne nur erreicht werden, wenn die Art und Organisation der Versorgung auch ressourcenschonend weiterentwickelt werden, so Klemm.
Für Ärztinnen und Ärzte sei Nachhaltigkeit keine abstrakte Klimafrage, sondern eine Frage der Versorgungsqualität, erklärte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Gute Medizin bedeute auch, Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen und Prävention zu stärken. »Die nachhaltigste Behandlung ist oft die, die durch gute Prävention gar nicht erst notwendig wird«, so Reinhardt.
Auch Arzneimittel, Medizinprodukte und Lieferketten würden zunehmend in den Fokus rücken. »Sie zählen zu den relevanten Emissions- und Ressourcentreibern im System«, sagte er. Damit Nachhaltigkeit systematisch berücksichtigt werden kann, fordert das Bündnis vergleichbare Standards, Planungssicherheit und einen klaren politischen Rahmen.
Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie, ergänzte: »Wir haben ein gemeinsames Ziel und sind froh über die Kooperation und den Dialog.« Es brauche verlässliche Rahmenbedingungen, die Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gleichermaßen ermöglichen, belastbare Daten, vergleichbare Standards und, wie in der EU geplant, gezielte Förderung, um wieder mehr in Europa zu entwickeln und zu produzieren.
Dorothea Baltruks, Leiterin des Centre for Planetary Health Policy, betonte, dass es bereits viele Initiativen und Aktivitäten für Nachhaltigkeitsbestrebungen im Gesundheitswesen gebe. »Doch diese bleiben Einzelbeispiele, die oft von individuellen Bemühungen abhängig sind, solange es an einer Gesamtstrategie fehlt. Unsere Nachbarländer zeigen: Es braucht eine gemeinsame Zielsetzung, koordiniertes Vorgehen und politische Unterstützung – den Anstoß dafür liefern wir mit diesem Eckpunktepapier.«