Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Autoimmunenzephalitis
-
Mögliche Ursache psychiatrischer Symptome

Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, Wesensveränderungen oder epileptische Anfälle – hinter all diesen Symptomen kann eine akute Entzündung des Gehirns infolge einer Autoimmunreaktion stecken. Eine schnelle Diagnose ist wichtig, um mit einer geeigneten Therapie bleibende Schäden zu verhindern.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 05.01.2026  09:00 Uhr

Hat eine Person Probleme, sich zu konzentrieren und zu erinnern, zeigt  Wahrnehmungs- oder auffällige Wesensänderungen, denkt das Umfeld meist nicht an eine mögliche hirnorganische Ursache. Naheliegendere Erklärungen sind häufig Stress oder psychische Probleme. Ein Hinweis darauf, dass tatsächlich eine Autoimmunenzephalitis (AE), als akute Entzündung des Gehirns dahinterstecken kann, ist ein plötzliches Einsetzen der Symptome. Es sei, als wären die Patienten »plötzlich verrückt geworden«, veranschaulicht Privatdozent Dr. Frank Leypoldt vom Institut für Klinische Chemie im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in einer Mitteilung des Klinikums Saarbrücken.

Die Phase, in der die Patienten nur diese Auffälligkeiten zeigen, dauert in der Regel nur einige Tage bis Wochen. »Dann kann das komplette Spektrum der neurologischen Erkrankungen von Bewusstseinsminderung bis hin zu Psychosen, epileptischen Anfällen, Bewegungsstörungen auftreten«, erklärt Leypoldt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte ein Neurologe aufgesucht werden – was aber längst nicht immer geschieht: »70 Prozent der Patienten werden meist psychiatrisch interpretiert, eben weil die Erstsymptomatik oft Verhaltens- oder Aufmerksamkeitsstörungen oder demenzartige Anfälle mit sich bringt«, berichtet Leypoldt, der dies mit einem Fallbeispiel illustriert (siehe Kasten).

Mehr von Avoxa