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Studie der ETH Zürich
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Mit smarter Logistik gegen Medikamentenengpässe

Forschende der ETH Zürich zeigen in einer neuen Studie, dass die Knappheit bestimmter Medikamente oft auf mangelhafte Flexibilität entlang der Lieferketten zurückzuführen ist. Sie haben daher ein Modell entwickelt, dass den Behörden helfen soll, drohende Engpässe rechtzeitig zu erkennen. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 19.01.2024  15:50 Uhr
Mit smarter Logistik gegen Medikamentenengpässe

Das Fehlen wichtiger Arzneimittel bereitet Pharmazeuten, Medizinern und Patienten seit Jahren Kopfzerbrechen. Mit dem im Juli 2023 in Kraft getretenen Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungs-Gesetz (ALBVVG) versuchte die Politik gegenzusteuern, doch noch immer klagen die Apotheken  über Medikamentenengpässe. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnte beispielsweise unlängst vor einer gefährlichen Knappheit bei Penicillin und dem Asthma-Medikament Salbutamol

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der ETH Zürich haben in der Fachzeitschrift Science Advances ein Modell vorgestellt, das die Logistik der Pharmaindustrie optimieren kann und so hilft, Lieferengpässen vorzubeugen. Für die Studie haben die Forschenden das gesamte Vertriebssystem von Opiaten in den USA zwischen 2006 und 2014 untersucht. Die Daten enthalten über 40 Milliarden Verteilrouten zwischen Herstellern, Händlern und Endabnehmern. 

Ungenutzte Lagerbestände

Die Schweizer Wissenschaftler konnten zeigen, dass selbst in Zeiten, in denen mehrere Großhändler über Lieferengpässe klagen, im  Gesamtsystem der Medikamentendistribution meist noch genügend Arzneimittel vorhanden waren. Das fehlen bestimmter Medikamente war oft auf mangelhafte Flexibilität entlang der Lieferketten zurückzuführen. Engpässe lassen sich also abfedern, indem Händler knappe Medikamente möglichst flexibel entlang bestehender Lieferwege umleiten. Dafür seien vollständig digitalisierte Distributionssysteme notwendig, die in Echtzeit von Händlern und Behörden beobachtet werden. 

Die Medikamentenhersteller und die Endabnehmer in den Apotheken und Krankenhäusern sind meist über mehrere Großhändler miteinander vernetzt. Diese lagern ihre Arzneimittel in Verteilerzentren. An diesen Knotenpunkten könnten Medikamentenlieferungen umgeleitet werden, wenn es im Vertriebsnetz an einer Stelle zu Engpässen kommt. Die Wissenschaftler der ETH Zürich vergleichen das mit einem Autofahrer, der eine alternative Route nimmt, um einen Stau zu umfahren.

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