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Mikrobiom
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Mit Probiotika gegen Darmkrebs?

Das Darmmikrobiom trägt nicht nur zur Entstehung von Kolorektalkarzinomen bei, sondern beeinflusst auch den Therapieerfolg bei Krebserkrankungen. Verschiedene Forschungsgruppen arbeiten an probiotischen Therapien gegen Krebs.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 18.03.2026  10:00 Uhr

Metaboliten mit Antitumoreffekt

Weiterhin konnte das Team zeigen, dass auch das Serum von probiotisch behandelten Mäusen einen Antitumoreffekt hat. »Es muss also von den Bakterien produzierte Stoffe geben, die antitumoral wirken«, sagte der Referent. Identifizieren konnten die Forschenden schließlich 3-Hydroxy-Dodecansäure, die von mehreren der genannten Stämme freigesetzt wird.

Wie weitere Versuche zeigten, aktiviert diese Substanz Makrophagen, die daraufhin Chemokine sezernieren, eine Entzündungsreaktion im Tumor fördern und damit zytotoxische CD8+-T-Zellen anlocken. Dadurch reduziert sich schließlich die Tumormasse, berichtete das Team 2025 im Fachjournal »Cell Reports«. »Durch eine Blockade des Rezeptors für 3-Hydroxy-Dodecansäure ließ sich der Antitumoreffekt der Bakterien und der isolierten Metaboliten wieder aufheben«, berichtete Scharl.

Milchsäurebakterien hemmen Angiogenese

Auch zu klassischen Probiotika liegen Ergebnisse aus Tiermodellen vor. Eine Arbeitsgruppe aus Graz konnte an einem Dickdarmkrebs-Rattenmodell zeigen, dass die Gabe eines Probiotikums mit acht Milchsäurebakterien-Spezies das Tumorwachstum hemmt (»International Journal of Molecular Sciences« 2022). Wenn das Produkt mit Lactobazillen und Bifidobakterien zu einer Chemotherapie verabreicht wurde, gab es einen Zusatzeffekt. Die Bakterien hätten dabei keinen Einfluss auf das Tumorzellwachstum oder die Apoptose gehabt, aber das Gefäßwachstum im Tumorgewebe gehemmt, berichtete Scharl.

Sinnvoll wäre es ihm zufolge daher, klassische Probiotika mit den neu identifizierten antitumoral wirkenden Bakterienarten wie Faecalibacterium prausnitzii zu einem Probiotikum der nächsten Generation zu verbinden. Solche Probiotika sollten die Diversität des Darmmikrobioms erhöhen, das Immunsystem systemisch modulieren und einen Antitumoreffekt zeigen.

Wenn sich dies in Studien nachweisen ließe, könnten in fünf bis zehn Jahren probiotische Krebstherapien verfügbar werden, so der Referent. Anders als bei den Milchsäurebakterien gebe es aber zu den neuen Bakterienarten bisher kaum klinische Daten zur Sicherheit. Außerdem sind die Arten strikte Anaerobier, was die Applikation verkompliziert.

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