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Mikrobiom
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Mit Probiotika gegen Darmkrebs?

Das Darmmikrobiom trägt nicht nur zur Entstehung von Kolorektalkarzinomen bei, sondern beeinflusst auch den Therapieerfolg bei Krebserkrankungen. Verschiedene Forschungsgruppen arbeiten an probiotischen Therapien gegen Krebs.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 18.03.2026  10:00 Uhr

»Seit etwa zehn Jahren ist gut belegt, dass das Darmmikrobiom in der Entstehung von nahezu allen Malignomen im menschlichen Körper eine Rolle spielt. Am deutlichsten ist der Zusammenhang bei Darmkrebs«, sagte Professor Dr. Michael Scharl vom Universitätsspital Zürich, Schweiz, bei den Deutschen Mikrobiomtagen der Deutschen Gesellschaft für probiotische Therapie (DePROM) Anfang März in Berlin. Bereits 2017 habe man entdeckt, dass bestimmte Darmbakterien, vor allem Fusobacterium nucleatum, nicht nur Darmtumoren besiederln, sondern auch deren Metastasen.

Darüber hinaus gebe es Belege, dass das Darmmikrobiom an der Entstehung von schwarzem Hautkrebs, Blasen- und Lungenkarzinom beteiligt ist und zudem das Ansprechen auf Tumortherapien, vor allem auf Checkpoint-Inhibitoren, beeinflusst, sagte Scharl. Die Mikroben haben dabei verschiedene Wirkungen: Sie können das Wachstum der Tumorzellen beeinflussen, Immunreaktionen auslösen oder auch einen direkten mutagenen Effekt haben.

Bakterien mit Schutzeffekt

Umgekehrt könnten Darmbakterien, die das Immunsystem beeinflussen, bei Krebserkrankungen auch protektiv oder therapeutisch wirken, so der Mediziner. Seine Arbeitsgruppe untersuchte daher anhand von Stuhlproben, welche Bakterien bei Patienten mit Dickdarmkrebs im Vergleich zu Gesunden reduziert sind. Diese Spezies könnten eine Schutzfunktion erfüllen, wenn sie vorhanden sind, so die Hypothese.

Das Team identifizierte verschiedene streng anaerobe Bakterienarten, auf die diese Voraussetzungen zutrafen, darunter Roseburia intestinalis, Faecalibacterium prausnitzii und Anaerostipes caccae. Diese Stämme kultivierte das Team und verabreichte sie als orales Probiotikum verschiedenen Krebsmodell-Mäusen, die etwa Dickdarm-, Brust- oder Lungenkrebs entwickeln.

Die Bakteriengabe allein führte dazu, dass die Tiere deutlich kleinere Tumoren aufwiesen als unbehandelte Mäuse. Die Analyse des Tumorgewebes zeigte, dass zytotoxische CD8+-T-Zellen in das Tumorgewebe einwanderten, auf deren Oberfläche zudem Checkpoint-Moleküle wie PD-1 oder CTLA-4 deutlich vermindert waren. Im direkten Vergleich übertraf die Supplementierung mit der Bakterienmischung sogar den Effekt einer Anti-PD-1-Therapie in Mausmodellen für Kolorektalkarzinom und Melanom, hieß es 2021 in der Publikation der Ergebnisse im Fachjournal »Cell Host & Microbe«.

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