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Typ-2-Diabetes
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Mit »Hafertagen« den Blutzucker regulieren

Einige Menschen beginnen am Aschermittwoch mit einer 40-tägigen Fastenzeit. Dies nutzt der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) als Gelegenheit, um über die gesundheitlichen Vorteile einer mehrtägigen Haferkur aufzuklären – insbesondere für Menschen mit (Prä-)Diabetes und Übergewicht. Sie müssen ihre Glucosewerte eng im Blick behalten und gegebenenfalls ihre Insulin-Dosis anpassen.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 14.02.2024  10:30 Uhr

Die anstehende christliche Fastenzeit bis Ostern nutzen einige Menschen, um sich bewusst reduziert zu ernähren. Sie verzichten beispielsweise auf Fleisch oder Alkohol. Wer etwas für seinen Blutzucker tun möchte, kann  – natürlich auch unabhängig der Fastenzeit – hin und wieder sogenannte Hafertage einlegen, empfiehlt der VDBD. Hafer hilft, den Blutzucker zu regulieren, die Insulinempfindlichkeit zu erhöhen und das Gewicht zu reduzieren. Eine Kur eignet sich daher insbesondere für Patienten mit Typ-2-Diabetes, Prädiabetes und/oder Übergewicht.

»Hafertage eignen sich als kurze Kur, um die Blutzucker-Regulierung zu verbessern und einer Insulinresistenz, die einen Diabetes mellitus zur Folge hat, entgegenzuwirken, aber auch als Möglichkeit zum Abnehmen«, führt VDBD-Vorsitzende Dr. Nicola Haller in einer Pressemitteilung des Verbands aus. Halte man sich regelmäßig an einzelnen Tagen diszipliniert an die Ernährungsstrategie, sei schon viel für eine nachhaltige Verbesserung der Stoffwechsellage getan.

So funktioniert die Haferkur

Für eine erfolgreiche Haferkur sind zwei bis drei aufeinanderfolgende Hafertage empfehlenswert. Auf dem Speiseplan stehen dann morgens, mittags und abends je 75 Gramm Haferflocken, zubereitet mit 300 bis 500 Milliliter Wasser oder fettfreier Brühe. Die Haferflocken können gekocht oder alternativ für mindestens 30 Minuten in kaltem Wasser eingeweicht werden – dadurch werden sie besser bekömmlich und der Körper kann die enthaltenen Mineralstoffe besser aufnehmen. Zudem quellen sie auf und erhöhen so das Sättigungsgefühl.

Um den Geschmack aufzupeppen, eignen sich Gewürze. Zudem können die Haferflocken ergänzt werden mit maximal 50 Gramm Gemüse (zum Beispiel Lauch, Brokkoli, Zucchini, Zwiebeln oder Champignons – jedoch kein Mais) oder 50 Gramm zuckerarmem Obst wie Beeren oder maximal 20 Gramm Nüssen.

Während der Haferkur sollte auf weitere eiweiß- oder fetthaltige Lebensmittel und Alkohol verzichtet werden, ergänzt VDBD-Vorstandsmitglied Theresia Schoppe. Die Wirkung einer Haferkur hält vier bis sechs Wochen an. Abseits der Kur kann es empfehlenswert sein, Hafer als festen wöchentlichen Bestandteil in die Ernährung zu integrieren, zum Beispiel durch Hafermahlzeiten zum Frühstück oder in Form eines Hafertags alle zwei bis drei Wochen.

Hafer kann den HbA1c-Wert um bis zu 40 Prozent senken

Hafer sei aufgrund seines Wirkstoffprofils das wohl gesündeste heimische Getreide, so der VDBD. Ein Großteil des enthaltenen Eiweißes sind essentielle Aminosäuren. Außerdem enthält Hafer Zink, Eisen und Magnesium sowie Biotin, Vitamin B1 und Vitamin B6. Mit 10 Gramm Ballaststoffen pro 100 Gramm fördert Hafer zudem die Darmgesundheit.

»Besonders interessant ist das im Hafer enthaltene Beta-Glucan, ein löslicher Ballaststoff, der die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert und damit hilft, den Glucosespiegel zu regulieren, sowie den Cholesterinspiegel senkt beziehungsweise normalisiert«, erklärt Schoppe. »Bei Insulinresistenz mit leicht erhöhten Glucosewerten im Sinne eines Prädiabetes oder bei einem manifestem Typ-2-Diabetes ist eine solche Kur daher besonders empfehlenswert.«

Eine Haferkur könne den  HbA1c-Wert, einen Langzeitmarker für einen möglichen Diabetes mellitus, nachweislich senken, Studien zufolge sogar um bis zu 40 Prozent, berichtet der Verband. »Wir setzen Haferkuren daher auch dann ein, wenn Menschen mit Diabetes, teils trotz guter Glucosewerte, hohe Insulindosen benötigen und dadurch zunehmen«, so Schoppe. Durch das Hafer-Fasten sei es möglich, das Körpergewicht zu halten oder sogar abzunehmen.

Insulindosis gegebenenfalls anpassen

Insulinpflichtige Diabetiker sollten unbedingt beachten, dass durch die Hafertage eine Dosisanpassung erforderlich sein kann. Da Hafer die Insulinempfindlichkeit erhöht, könne die nötige Insulinzufuhr um mehr als 40 Prozent reduziert sein, so der VDBD. »Wir empfehlen daher, sich vor und während einer Haferkur eng mit dem Diabetes-Team zu besprechen, zu überlegen, inwiefern eine Haferkur sinnvoll ist und in welchem Umfang diese gemacht werden sollte sowie die Glucosewerte genau im Blick zu behalten«, rät Haller abschließend.

Welchen Ernährungsplan für die Hafertage der VDBD empfiehlt, findet sich in der Ernährungsbroschüre »Diabetes und Ernährung«. Darüber hinaus sind die Nähwertangaben für Hafer und andere Lebensmittel in einer Tabelle einsehbar.

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