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Evidenzbasierte Analyse
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Milch ist überbewertet

Milch polarisiert. Für die einen ist sie ein unverzichtbares, da hochwertiges Lebensmittel, die anderen schätzen Milch genau gegenteilig, ja sogar als gesundheitsschädlich, ein. Eine kritische, auf empirischer Evidenz basierende Betrachtung der Bedeutung von Milch wurde jetzt im »New England Journal of Medicine« veröffentlicht.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 17.02.2020  09:24 Uhr
Wie profitieren Kinder von Milch?

Wie profitieren Kinder von Milch?

Wie sich der Verzehr von Kuhmilch auf die Gesundheit von Kindern auswirkt, ist auf Basis der Datenlage nur äußerst schwer abschätzbar. Steht keine Muttermilch zur Verfügung, kann Kuhmilch in der frühen Kindheit ein wertvoller Ersatz sein. Milch fördert die Wachstumsgeschwindigkeit und das Erreichen höherer Körpergrößen. Damit sind sowohl Risiken als auch Vorteile assoziiert. Die hohe Nährstoffdichte der Milch kann besonders in Regionen von Vorteil sein, in denen die Qualität der Gesamtnahrung eingeschränkt ist. Ist die Versorgung mit qualitativ hochwertiger Nahrung jedoch gesichert, kann ein hoher Milchkonsum auch mit Risiken assoziiert sein. So scheint ein hoher Milchkonsum beispielsweise Knochenbrüche im Alter zu begünstigen.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die derzeitige Empfehlung in den USA, drei oder mehr Portionen (jeweils etwa 250 ml) Milch auf pro Tag zu konsumieren, nicht gerechtfertigt ist. Dagegen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, maximal 250 Milliliter Milch pro Tag zu konsumieren.

Die optimale Menge an Milch, die eine einzelne Person zu sich nehmen sollte, hängt allerdings von der allgemeinen Ernährungsqualität ab. Ist eine gute Qualität der Nahrung nicht gesichert, wie dies beispielsweise bei Kindern in einkommensschwachen Milieus der Fall sein kann, können Milchprodukte die Ernährung deutlich verbessern. Ansonsten bringt ein erhöhter Verzehr von Milchprodukten wahrscheinlich keinen wesentlichen Nutzen, sondern kann durchaus auch schaden.

Werden wenig bis gar keine Milchprodukte konsumiert, muss an eine adäquate Versorgung mit Calcium und Vitamin D gedacht werden. Nahrungsquellen mit hohem Calcium-Gehalt sind beispielsweise Grünkohl, Brokkoli, Tofu, Nüsse und Bohnen. Vitamin D sollte praktisch immer substituiert werden.

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