| Johanna Hauser |
| 05.02.2026 14:00 Uhr |
Ein neu entwickelter Impfstoff gegen MERS scheint eine anhaltende Immunantwort zu erzeugen. / © Adobe Stock/Krot_Studio
Der Auslöser des Middle Eastern Respiratory Syndrom (MERS) gehört wie der des Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS) zur Familie der Coronaviren. Erstmals 2012 auf der Arabischen Halbinsel in Erscheinung getreten, verursacht MERS beim Menschen schwere Atemwegserkrankungen mit einer Letalitätsrate von bis zu 36 Prozent. Das Virus zirkuliert weiterhin in Kamelen und gehört wegen der potenziellen Gefahr, eine Pandemie auslösen zu können, zu den Erregern, die vorrangig für die Entwicklung von Impfstoffen infrage kommen.
Ein von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) entwickelter Impfstoff zeigte nun eine gute Antikörperantwort nach drei Impfungen. Der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S basiert auf einem abgeschwächten Pockenvirus, das um Proteinkomponenten des MERS-Virus ergänzt wurde. Die Ergebnisse wurden kürzlich in »Nature Communications« veröffentlicht.
An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-I-Studie nahmen 139 Probanden teil, die in fünf Gruppen eingeteilt wurden. Getestet wurden zwei Impfstoffdosen (107 oder 108 infektiöse Viruspartikel) und zwei Impfabstände (Tag 0 und Tag 28 oder 56) sowie Placebo. Nach sechs Monaten erhielten alle Teilnehmer eine dritte Injektion.
Nach der zweiten Impfung mit MVA-MERS-S entwickelten alle Teilnehmer neutralisierende Antikörper und zeigten eine ausgeprägte Antikörperreaktion gegen das Spike-Protein von MERS-CoV. Der Unterschied zwischen den Impfstoffstärken war dabei nicht signifikant. Die dritte Dosis erhöhte die Antikörpertiter kurzfristig nicht weiter, die Antikörperantwort entsprach den höchsten gemessenen Werten nach der zweiten Impfung. Die Titer waren über die verschiedenen Impfstoffdosen und Impfintervalle vergleichbar.
Die 139 Probanden wiesen vereinzelt lokale Impfreaktionen wie leichte Schmerzen an der Einstichstelle auf. Schwerwiegende, impfbezogene Nebenwirkungen gab es keine.
An einer 24-monatigen Nachbeobachtungsphase nahmen 48 Probanden teil, von denen 43 mit MVA-MERS-S und fünf Placebo geimpft worden waren. Nach 6, 12 und 24 Monaten wurden die Teilnehmer auf MERS-CoV-S1-spezifisches Immunglobulin G und Voll-Spike-spezifisches IgG sowie neutralisierende Antikörper getestet.
Bei den mit Verum geimpften Teilnehmern nahmen die Titer zwar allmählich ab, blieben aber auch nach 24 Monaten nachweisbar. Insgesamt blieben 60 Prozent der geimpften Teilnehmer S1-IgG seropositiv. Zu Beginn der Nachbeobachtung war dies bei 86 Prozent der Fall. Ähnliche Werte wurden für die neutralisierenden Antikörper beobachtet: Bei drei Viertel der Teilnehmer waren Pseudovirus-neutralisierende Titer und bei der Hälfte Live-Virus-neutralisierende Titer nachweisbar.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.