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Neues Coronavirus

Mehr Todesfälle als durch SARS

Mehr als 900 Menschen sind bislang an Infektionen mit dem neuen Coronavirus (2019-nCoV) gestorben. Während sich der Erreger weiter ausbreitet, werden Schutzausrüstungen, vor allem Spezialmasken, weltweit knapp.
dpa
10.02.2020
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In China steigt die Zahl erfasster Infektionen und Todesfälle weiter an. Landesweit wurden 97 weitere Tote bestätigt. Damit starben in China inzwischen mehr als 900 Menschen an der neuartigen Lungenerkrankung. Das sind mehr Todesfälle als bei der SARS-Epidemie 2002/2003 aufgetreten waren. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stieg um 3.062 auf 40.171 Fälle. Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei, wo die Epidemie in der Stadt Wuhan ihren Anfang genommen hatte, kamen 2.618 Infektionen und 91 Todesfälle hinzu. Außerhalb des chinesischen Festlands sind in mehr als zwei Dutzend Ländern mehr als 300 Infektionen bestätigt, davon 14 in Deutschland.

Chinesische Behörden gehen verstärkt gegen die Ausbreitung des Erregers 2019-nCoV vor. Rund 6200 medizinische Fachkräfte wurden laut Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) am Wochenende mit 47 Charterflügen in die Stadt Wuhan gebracht. Dies sei der vom Umfang her größte Transport medizinischen Personals seit Ausbruch der neuartigen Lungenerkrankung in China, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag unter Berufung auf die zivile Luftfahrtbehörde ACCA. Neun chinesische Fluggesellschaften hätten neben dringend benötigter medizinischer Ausstattung 34 Teams aus mehreren Provinzen befördert.

Engpass an Schutzausrüstung befürchtet

Der Kampf gegen das Coronavirus droht inzwischen zu einem weltweiten Engpass an Schutzkleidung zu führen. Das teilte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Freitag in Genf mit. »Wir schicken Tests, Masken, Handschuhe, Atemschutz und Kittel in alle Regionen der Welt, aber die Welt blickt einem chronischen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung entgegen«, sagte Adhanom Ghebreyesus.

Der Bedarf sei 100-Mal höher und die Preise seien teilweise 20-Mal höher als gewöhnlich. Aufgrund des Engpasses müsse nun darauf geachtet werden, dass die richtigen Menschen das Equipment erhielten. »An erster Stelle stehen dabei die Ärzte und Pfleger, danach folgen Verwandte und Freunde, die Kranken helfen«, erklärte Adhanom Ghebreyesus. WHO-Experte Michael Ryan betonte, dass der Verkauf von einfachen Masken nicht der Auslöser der Besorgnis sei. »Aber es wird zu einem Problem, wenn der zivile Markt mit Spezialmasken geflutet wird.« Auch in Deutschland sind in einigen Apotheken Masken nicht mehr zu bekommen. Dabei sind sie für Gesunde, die nicht mediznisches Personal sind, nicht empfohlen. 

Der WHO-Chef betonte aber auch einige Fortschritte der vergangenen Tage. So seien weitere Länder seinem Appell gefolgt, ebenfalls ihre Daten zum Coronavirus mit der WHO zu teilen. »Mehrere Länder haben diese lebenswichtigen Daten mit uns geteilt und andere haben in Aussicht gestellt, dass sie das bald ebenfalls machen werden«, so Adhanom Ghebreyesus.

WHO geht gegen Falschinformationen vor

Die WHO geht nach eigenen Angaben gegen Falschinformationen zum neuen Coronavirus vor. Falsche Informationen über das Virus sorgten für Verwirrung und Angst in der Bevölkerung, sagte Adhanom Ghebreyesus in Genf. »Wir bekämpfen daher auch die Trolle und Verschwörungstheoretiker, die falsche Informationen verbreiten und damit die Arbeit gegen den Ausbruch unterlaufen«, so Adhanom Ghebreyesus.

Der WHO-Chef erklärte, dass man dafür auch mit zahlreichen sozialen Netzwerken in Kontakt sei. »Wir haben sie gebeten, falsche Informationen herauszufiltern und korrekte Infos von vertrauenswürdigen Quellen zu begünstigen.« Über Instagram und Youtube habe die WHO zudem den Kontakt zu Influencern gesucht und darum gebeten, sachliche Nachrichten über das Virus zu verbreiten. »Der Fokus liegt dabei auf der Region Asien-Pazifik«, so Adhanom Ghebreyesus.

In einem kurzen Erklärvideo  fasst die WHO die wichtigsten bislang bekannten Fakten zu dem neuen Erreger zusammen.  Auf einer als »Myth Buster« bezeichneten Seite geht sie gegen gängige Falschiformationen vor.  Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat die wichtigsten Informationen auf einem Infoblatt zusammengefasst. 

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