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E-Rezept-Pannen
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Mehr Monitoring, weniger Ausfälle?

Nach dem jüngsten E-Rezept-Ausfall verspricht die Gematik mehr Stabilität für die Telematikinfrastruktur. Angesichts wiederkehrender Ausfälle wächst bei den Apotheken die Ungeduld. Wie sie sich krisenfester aufstellen können, ist aber weiter unklar.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 05.10.2026  16:20 Uhr

Der jüngste größere Ausfall des E-Rezepts Anfang September sorgte bundesweit für Probleme bei der Nutzung der Telematik-Infrastruktur (TI). Auslöser war eine Störung beim Vertrauensdiensteanbieter D-Trust, die die Nutzung von SMC-B und Heilberufsausweisen empfindlich störte. E-Rezepte konnten teilweise nicht erstellt, signiert oder eingelöst werden. Konkrete Zahlen zum Ausmaß der Störung sind zwar schwer zu bekommen, aus Apotheken wurden jedoch spürbare Auswirkungen gemeldet.

Etwa wurden einem Bremer Apotheker zufolge an dem betroffenen Montag rund 20 Prozent weniger GKV-Rezepte eingelöst als an vergleichbaren Tagen. Der Anteil digital eingelöster Rezepte sank dort von üblicherweise etwa 84 auf 63 Prozent. Ein Teil der ausgefallenen Einlösungen wurde erst am Folgetag nachgeholt.

Wie stets in solchen Fällen beteuerte der Anbieter, dass mit Hochdruck nach den Ursachen gesucht werde und man sich bemühe, die Funktionsfähigkeit schnellstmöglich wiederherzustellen. Auch die Gematik versicherte, dass die Lage überwacht werde. Den betroffenen Apotheken nutzten diese Versicherungen allerdings in dem Moment wenig.

Was also tun, um in Zukunft gewappnet zu sein? Beim Anbieter D-Trust ist man zurückhaltend und teilt auf Anfrage lediglich mit, dass die Ursache der jüngsten Störung »in der technischen Konfiguration eines Dienstes« gefunden und behoben worden sei. Die Frage, ob und, wenn ja, was unternommen wurde, um Stabilität und Sicherheitslevel für D-Trust-Kunden zu erhöhen, beantwortet der Anbieter nicht.

Wenn die Behebung länger dauert

Ansprechpartner ist hier ohnehin eher die halbstaatliche Gematik, die die technische Architektur und den Betrieb des E-Rezept-Systems innerhalb der TI verantwortet. Sie verweist gegenüber der PZ darauf, dass die Anbieter strengen regulatorischen Vorgaben hinsichtlich Verfügbarkeit, Reaktions- und Lösungszeiten sowie Dokumentationspflichten bei Störungen unterlägen. Trotz allem könne es aber zu Störungen kommen, auch zu komplexen wie zuletzt. Deren Behebung dauere dann eben länger.

Zu beachten sei, dass die TI immer stärker genutzt werde – daher sei deren Stabilität umso wichtiger, so eine Gematik-Sprecherin. Die Agentur wolle die Komplexität der Systeme verringern und die Technologie weiterentwickeln, skizzierte sie. Zudem strebe sie mehr Zuverlässigkeit an, etwa durch ein umfassendes Monitoring sowie Verfahren zur frühzeitigen Erkennung von Fehlern und Redundanzkonzepten. Auch auf eine enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Industriepartnern setzt man, um Störungen schneller zu erkennen, ihre Ursachen zu beheben und Ausfälle möglichst zu vermeiden.

Wer haftet für TI-Ausfälle?

Bei den Apotheken steigt indes die Ungeduld; zu regelmäßig fallen die Systeme nach wie vor aus, zu häufig müssen Apothekenteams die Versicherten ohne eingelöstes Rezept wegschicken, zu oft müssen sie auch dadurch Umsatzeinbußen hinnehmen.

Wer in solchen Fällen haftet, war daher auch Thema beim zurückliegenden Apothekertag in München. In einem Antrag forderte der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) die Möglichkeit von Schadenersatz bei TI-Ausfällen. Über die Feststellung, dass Handlungsbedarf bestehe, gelangte die Diskussion allerdings nicht hinaus. Es scheitere schon am Adressaten, so Kritiker. Häufig lasse sich weder eindeutig feststellen, an welcher Stelle der Telematikinfrastruktur ein Fehler entstanden sei, noch der konkrete finanzielle Schaden einer Apotheke exakt beziffern. Auch ein konkreter Anspruchsgegner sei in dem komplexen Gefüge schwer zu ermitteln.

Als ein Ansatz wurde ein Entschädigungsfonds vorgeschlagen, in den Anbieter wichtiger TI-Dienstleistungen einzahlen. Betroffene Apotheken könnten bei Ausfällen daraus pauschal entschädigt werden, ohne die genaue Ursache oder den Verursacher der Störung nachweisen zu müssen. Über die Finanzierung eines solchen Fonds besteht jedoch noch Klärungsbedarf. Der Antrag wurde daher in den Ausschuss überwiesen; eine Lösung der Haftungsfrage steht weiterhin aus.

Back-up rosa Rezept?

Auch die Bedeutung des Muster-16-Rezepts kommt in der Diskussion zum Tragen. Offenbar waren zahlreiche Praxen während der TI-Störung auf Papierrezepte ausgewichen, um den digitalen Ausfall zu überbrücken. Das rosa Rezept als Back-up ist ein gewichtiges Argument derer, die die verpflichtende E-Rezept-Nutzung samt Verbot von Papierrezepten skeptisch sehen. Die andere Seite der Medaille ist, dass nur durch konsequente E-Rezept-Nutzung der wachsenden Zahl an Rezeptfälschungen ein Riegel vorgeschoben werden kann. Lösungen stehen noch aus.

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