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ePA-Start 2025
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Medikationslisten sollen Komplikationen verhindern 

2025 sollen alle Versicherten in Deutschland eine elektronische Patientenakte (ePA) bekommen. Diese wird unter anderem mit den Daten des E-Rezepts gefüllt und soll einen umfassenden Überblick über die Medikation der Patientinnen und Patienten bieten. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) setzt große Hoffnungen auf die ePA.  
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 26.06.2024  14:00 Uhr

Große Datenmengen mit großem Potential 

Doch wozu der Aufwand? Die ePA soll es den behandelnden Ärzten ermöglichen, schnell und verlässlich alle relevanten Gesundheitsinformationen der Patienten zu bekommen. So ließe sich die Arbeit des Arztes erleichtern und die Qualität der Behandlungen verbessern.

Auch die Medikationslisten könnten die Sicherheit der Patienten deutlich verbessern. Susanne Ozegowski ist Abteilungsleiterin für »Digitalisierung und Innovation« im Gesundheitsministerium und erzählte auf dem Presseseminar von einer Studie aus dem Jahr 2019: »Die Autoren haben 10.000 Krankenhauseinweisungen untersucht und festgestellt, dass 6,5 Prozent der Einweisungen auf unerwünschte Arzneimittelereignisse zurückgehen. Andere Studien gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der unerwünschten Arzneimittelereignisse vermeidbar wären«, erklärte die Abteilungsleiterin.

Wenn es gelänge, 80 Prozent der Versicherten mit einer ePA auszustatten, ließen sich allein durch die Medikationslisten etwa 500 000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr vermeiden. Ozegowski wies allerdings darauf hin, dass es sich nur um grobe Schätzungen handelt. 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ging am Dienstag noch einen Schritt weiter und sprach von den Chancen, die künstliche Intelligenz (KI) in Kombination mit der ePA biete. In naher Zukunft könnten KI-Anwendungen das Niveau hochspezialisierter Fachärzte erreichen und dabei helfen, die Daten in der ePA auszuwerten. »Man hat dann enorm gute Ärzte jederzeit um sich herum und kann sich Dinge erklären lassen. Das wird zu einem ganz anderen Verständnis der Menschen, was Gesundheit und Krankheit angeht, führen«, so Lauterbach. 

Auch die durch die ePA gewonnen Daten haben laut Lauterbach ein enormes Potential für den Forschungsstandort Deutschland. »Wir wollen Deutschland als einen Forschungsweltmeister aufbauen. Dazu haben wir die Kombination mit einmaliger Datenstruktur, einmaliger Datenauswertbarkeit und KI-Training«, schwärmte der Gesundheitsminister. Schon heute sähe man daher erhebliche Investitionen, die Pharmaunternehmen aus aller Welt in der Bundesrepublik tätigen. 

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