| Theo Dingermann |
| 09.10.2026 13:30 Uhr |
Besonders interessant für die Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes sind die Ergebnisse einer zweijährigen randomisierten Studie, die ebenfalls in die Übersichtsarbeit aufgenommen wurde. Die Teilnehmer der Interventionsgruppe waren angewiesen worden, bei ihren Mahlzeiten zunächst Gemüse und zuletzt Kohlenhydrate zu verzehren. Ihr HbA1c-Wert sank innerhalb von zwölf Monaten von durchschnittlich 8,3 auf 6,7 Prozent und lag nach 24 Monaten bei 6,8 Prozent. In der Kontrollgruppe, die allgemeine Ernährungsempfehlungen erhielt, verringerte sich der HbA1c-Wert dagegen von 8,2 auf 7,3 Prozent. Die Differenz zwischen den Gruppen nach zwei Jahren betrug somit 0,5 Prozentpunkte.
Allerdings lässt sich nicht eindeutig feststellen, ob diese Verbesserung tatsächlich auf die Verzehrreihenfolge zurückzuführen war. Da die Gemüsezufuhr zwischen den Gruppen nicht angeglichen wurde, könnte auch eine insgesamt höhere Aufnahme von Gemüse und Ballaststoffen zu dem Ergebnis beigetragen haben.
Als mögliche Erklärung für die beobachteten Effekte diskutieren die Forschenden insbesondere den Einfluss der Ballaststoffe auf die gastrointestinale Glucoseaufnahme. Werden ballaststoffreiche Lebensmittel vor den Kohlenhydraten verzehrt, könnte sich die Resorption der Glucose verzögern und damit der frühe postprandiale Konzentrationsanstieg abschwächen.
Darüber hinaus könnten Veränderungen der Magenentleerung, eine verstärkte Sättigung sowie Effekte auf die Ausschüttung gastrointestinaler Hormone wie Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) eine Rolle spielen. Diese Mechanismen sind allerdings nicht hinreichend belegt, um den beobachteten Effekt eindeutig der Reihenfolge der Lebensmittelaufnahme zuzuschreiben.
Erschwert wird die Interpretation durch erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Interventionen. Während einige Studien ausschließlich den Verzehr von Gemüse vor Reis untersuchten, kombinierten andere Gemüse mit proteinreichen Lebensmitteln oder verwendeten Gemüsesäfte. Teilweise wurden den Mahlzeiten zusätzlich Öle oder essighaltige Dressings zugesetzt, die selbst Einfluss auf die postprandiale Stoffwechselantwort nehmen können. Auch die zeitlichen Abstände zwischen Gemüse- und Kohlenhydratverzehr variierten zwischen unmittelbar aufeinanderfolgend und bis zu 30 Minuten.