| Melanie Höhn |
| 26.02.2026 16:20 Uhr |
Moderatorin Jessica Gummersbach, CDU-Bundestagsabgeordnete Maria-Lena Weiss, SPD-Bundestagsabgeordnete Lina Seitzl, Karin Huss von Gilead Sciences und Karin Maag vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) (v.l.). / © PZ/Höhn
»Ich stand unter Schock und war total im Nebel«: So beschrieb die Moderatorin Tanja Bülter den Moment, als sie von ihrer Diagnose erfuhr – in ihrem Fall eine besonders aggressive Form von Triple-negativem Brustkrebs (TNBC). Eine Ärztin erklärte ihr die »harten Fakten«, doch für Bülter sei nur wenig Mitgefühl oder Begleitung übrig gewesen. »Ich saß danach im Auto und wusste gar nicht mehr, wie mein Auto fährt. Man findet keine Orientierung und ist total alleingelassen.«
Ihr Weg sei eine »absolute Prozedur« gewesen, sagte sie bei der heutigen Politik-Talkrunde »(Vor)Sorglos? Früherkennung, metastasierter Brustkrebs und der Weg zu innovativen Therapien« des »Tagesspiegel«. »Das Problem ist, dass wir in dem Moment, in dem wir diese Diagnose bekommen, am schwächsten sind. Aber genau da verlangt das System von uns, dass wir am stärksten sind. Das ist aber eigentlich so gut wie unmöglich«, berichtete die 55-Jährige.
52 Telefonate musste sie führen, bis sie einen Termin für eine Biopsie bekam, am Ende klappte es nur durch ihr Netzwerk. »Das ist ein strukturelles Versagen, das dürfen wir uns nicht leisten«, mahnte Bülter und forderte, dass der Zugang zu einer schnellen Diagnose und Therapie kein Privileg für eine bestimmte Zielgruppe sein dürfe.
Ein positives Beispiel seien etwa die »Breast Care Nurses« (BCN) aus Großbritannien, eine Art Zwischenstelle zwischen Krankenhaus und Arzt. Sie koordinieren Termine, helfen bei der Orientierung oder unterstützen Betroffene emotional. Ein gutes Vorbild sei auch Skandinavien mit seinen sogenannten »Fast-Track-Systemen«, also hochstrukturierte Diagnose- und Behandlungswege, die darauf abzielen, Wartezeiten bei Brustkrebsverdacht zu minimieren.
Jährlich trifft Brustkrebs als häufigste Krebsart etwa 70.000 Frauen, doch noch immer erfolgen Diagnosen zu spät und es bestehen regionale Versorgungslücken, führte Moderatorin Jessica Gummersbach in die Problematik ein. »Es ist kein leichtes Thema, aber wirklich ein entscheidendes.«
Die Professorin Dorothee Speiser, stellvertretende Klinikdirektorin der Klink für Gynäkologie an der Berliner Charité, betonte, dass es zwar ein gutes Mammografie-Screening-Programm für Frauen im Gipfel der Erkrankungs-Inzidenz gebe, man jedoch nur 52 Prozent der Berechtigten erreichen würde. Hier gebe es Nachbesserungsbedarf.
Zudem forderte die Expertin, dass das individuelle Risiko von Frauen noch frühzeitiger betrachtet werden müsse, »um in die Situation zu kommen, dass nicht mehr nur Früherkennung möglich wird, sondern vielleicht sogar Prävention.« Sie sagt ganz klar: »Wir wollen die Diagnosen gar nicht, wir wollen vorher ansetzen.« Alle seien in der Verantwortung, genau das in die Wege zu leiten, auch Netzwerke müssten noch enger geknüpft werden. Bei der Behandlung der Patientinnen spiele vor allem Zeit eine große Rolle, man müsse versuchen, die Dinge einfach zu erklären. Frauen dürften nicht in die Versuchung kommen, nach ihrer Diagnose alles »wild zusammenzugoogeln«, sondern bräuchten fundiert zusammengestellte digitale Informationen.