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Sachsen-Anhalt
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Lieferengpässe führen zu kilometerweiten Umwegen

120 Kilometer für ein Antibiotikum gegen Scharlach – die Lieferengpässe führen zu extremen Belastungen kranker Menschen, ihrer Familie und auch der Apotheken. In Sachsen-Anhalt finden sie langsam Gehör, zumindest bei Bürgermeistern und Landtagsabgeordneten.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 13.06.2023  12:30 Uhr
Lieferengpässe führen zu kilometerweiten Umwegen

Beate Egelkraut, Inhaberin der Gutenberg-Apotheke in Oranienburg-Wörlitz, versorgt in einer ländlich geprägten Region Sachsen-Anhalts ihre Patienten. »Die Wege zu mancher Arztpraxis sind gern mal bis zu 20 Kilometer oder sogar mehr lang«, berichtet der Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt. »Da schicken wir keinen Patienten wieder zurück, um ein neues oder geändertes Rezept zu bekommen. Dann fahren wir selbst«, berichtet Egelkraut. »Aber es sind unnötige Wege und unnötige Kosten, die uns keiner bezahlt.«

Von einem noch extremeren Beispiel berichtete Anne-Kathrin Haus, Apothekerin aus Colbitz, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa:  Es gebe immer häufiger Fälle, in denen sie Tage benötige, um Medikamente zu besorgen, oder der Patient leer ausgehe. »Der erste Fall vor ungefähr vier Wochen war ein Kind, das schwer an Scharlach erkrankt war und entsprechend hoch fieberte«, erzählt Haus. »Die Familie kam aus einer Klinik in Halle und fuhr bereits fünf Apotheken auf ihrem Weg an, bis sie nach einer Strecke von circa 120 Kilometern bei mir waren.«

Apotheken brauchen mehr Flexibilität und Sicherheit

Diese ganze Situation sei nicht nur wirtschaftlich sehr schwer zu stemmen, sondern auch psychisch, führt Haus aus. »Und das nach einer bereits psychisch und physisch sehr schwierigen Zeit während der Corona-Pandemie

Auf die Pandemie bezieht sich auch Egelkraut in der Pressemitteilung des LAV: »In der Pandemiezeit durften wir unbürokratisch Arzneimittel austauschen, wenn diese nicht verfügbar waren. Und das hat die Krankenkassen auch nicht zusätzlich finanziell belastet. Heute soll das nicht mehr möglich sein. Das ist ein Irrsinn.«

»Wir brauchen in unseren Apotheken Gespräche mit der Politik, um die belastende, unerträgliche Bürokratie praktisch zu zeigen«, so Egelkraut weiter. Das Management der Lieferengpässe koste Zeit und Nerven und müsse besser vergütet werden. Dieser Aufwand werde von keinem gesehen, der nicht in der Apotheke arbeite.

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