| Daniela Hüttemann |
| 19.01.2026 17:10 Uhr |
Wichtig bei der Arzneimitteleinnahme ist, sie grundsätzlich immer zur gleichen Uhrzeit und auf die gleiche Art und Weise zu tun. / © Getty Images/Jamie Grill
Klinische Leitlinien sowie die Fach- und Gebrauchsinformationen empfehlen, Levothyroxin morgens mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück einzunehmen, um eine gute und gleichmäßige Bioverfügbarkeit zu erreichen. Eine Umfrage niederländischer Internisten vom Zuyd-Schilddrüsen-Center in Sittard-Geleen hatte jedoch 2024 gezeigt, dass die Hälfte von 410 befragten Patienten die Einnahme vor dem Frühstück als herausfordernd und belastend empfindet. Ein Drittel gab zu, das Timing nicht hinzubekommen oder die Tablette deshalb nicht immer zu nehmen. Der Wunsch, das Schilddrüsenmedikament zum Frühstück einnehmen zu können, sei groß, schrieb die Forschungsgruppe um Jeresa I. A. Willems im »Journal of the Endocrine Society«.
Diese Ergebnisse veranlassten dieselbe Forschungsgruppe, eine randomisierte klinische Studie durchzuführen, um eine Nüchtern-Einnahme mit einer Einnahme zum Frühstück zu vergleichen. Die Ergebnisse sind vor Kurzem im »Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism« erschienen.
An der Studie nahmen 88 Patienten (80,7 Prozent weiblich) im Alter von 49 bis 69 Jahren mit stabil eingestellter Hypothyreose teil. 43 von ihnen blieben anfangs bei der Nüchtern-Einnahme, 45 sollten ihre Levothyroxin-Tablette dagegen immer zum Frühstück einnehmen. Bei Letzteren wurde die Dosis um 15 Prozent erhöht. Alle sechs Wochen wurden drei wichtige Schilddrüsenwerte (TSH, freies T4 und Gesamt-T3) gemessen und die Levothyroxin-Dosis gegebenenfalls angepasst.
Primärer Outcome der Studie war die TSH-Stabilität, definiert als zwei aufeinander folgende Werte innerhalb des Referenzbereichs und mit einem maximalen Unterschied von ± 1 mlU/L zum Ausgangswert. Die TSH-Stabilität war in beiden Gruppen vergleichbar: 74,4 Prozent in der nüchternen Gruppe und 73,3 Prozent in der Frühstücksgruppe mit der um 15 Prozent erhöhten Dosis. Der Unterschied war nicht signifikant.
Nach der initialen Studienphase durften die Teilnehmenden der Nüchtern-Gruppe auf eigenen Wunsch in die Frühstücksgruppe wechseln. Auch bei ihnen zeigte sich eine vergleichbare TSH-Stabilität. Die Patienten in der Frühstücksgruppe berichteten über eine größere Verbesserung des Wohlbefindens (33,3 versus 16,3 Prozent), was laut Autorenteam auf eine verbesserte Therapietreue und weniger Beschwerden hinweist. Am Ende der Studie entschieden sich 88,9 Prozent der Teilnehmenden, die nicht nüchterne Einnahme fortzusetzen.