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Risikopatienten
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Lässt sich voraussagen, wer Long-Covid bekommt?

Berichte über das Long-Covid-Syndrom mehren sich. Jedoch steht nach wie vor eine systematische Charakterisierung ebenso wie die Beschreibung von Prädiktoren aus, die auf eine Long-Covid-Erkrankung hindeuten könnten. Diese Wissenslücken schließt jetzt teilweise eine Arbeit, die in »Nature Medicine« erschienen ist.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 11.03.2021  13:00 Uhr
Risikofaktoren: Alter, Gewicht, Geschlecht und viele Symptome

Risikofaktoren: Alter, Gewicht, Geschlecht und viele Symptome

Das Risiko für Long-Covid stieg mit zunehmendem Alter und mit höherem Body-Mass-Index. Frauen waren häufiger betroffen als Männer. Traten mehr als fünf der typischen Symptome in der ersten Krankheitswoche auf, konnte man mit einem Long-Covid-Syndrom rechnen.

Die Wissenschaftler fanden zwei Haupt-Symptommuster innerhalb der LC28-Patienten: zum einen Personen, die ausschließlich über Müdigkeit, Kopfschmerzen und Beschwerden der oberen Atemwege (Kurzatmigkeit, Halsschmerzen, anhaltender Husten und Geruchsverlust) klagten und zum anderen Patienten mit zusätzlichen Multisystem-Beschwerden einschließlich anhaltendem Fieber und gastroenteralen Symptomen. In der zweiten Gruppe waren anhaltendes Fieber und Appetitverlust mit einer Krankenhauseinweisung verbunden.

Für Patienten, die mehr als fünf Symptome in der ersten Woche gemeldet hatten, war die Wahrscheinlichkeit, später an LC28 zu erkranken, signifikant erhöht. Relevante Symptome mit einem Vorhersagepotenzial für Long-Covid zählten Müdigkeit, Kopfschmerzen, Dyspnoe, heisere Stimme und Myalgie. Ähnliche Muster wurden bei beiden Geschlechtern beobachtet. Bei Erwachsenen über 70 Jahren war Geruchsverlust (der in dieser Altersgruppe generell seltener auftrat) das prädiktivste Symptom für Long-Covid, gefolgt von Fieber und einer heiseren Stimme.

Aufbauend auf diesen Daten entwarfen die Wissenschaftler ein Vorhersagemodell, wobei sie nur die Anzahl der Symptome in der ersten Woche mit Alter und Geschlecht in ein logistisches Regressionsmodell einfließen ließen. Es könnte dabei helfen, Risikogruppen zu identifizieren, für die gezielte Frühinterventionsoptionen indiziert wären. Spezielle Rehabilitationsprogramme in der Primär- und Facharztversorgung könnten zudem dazu beitragen, Long-Covid-Komplikationen zu lindern und eine rechtzeitige Genesung zu ermöglichen.

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