| Christina Hohmann-Jeddi |
| 21.01.2026 16:20 Uhr |
Abnehmspritzen kurzfristig einzusetzen, ist wenig erfolgversprechend und ist daher Experten zufolge Geldverschwendung. / © Getty Images/photoschmidt 2021
Wer übergewichtig ist, dem wird zu Diät und Bewegung geraten. Doch die Effekte durch solche Allgemeinmaßnahmen sind begrenzt. »Dabei ist Abnehmen bei Adipositas nicht das Problem«, berichtete Professor Dr. Jörg Bojunga vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Das eigentliche Problem sei es, das Gewicht zu halten. Der Körper setze alles daran, das Ausgangsgewicht wieder herzustellen. Zudem reduziere sich bei einem Gewichtsverlust nicht nur die Fett-, sondern auch die fettfreie Masse. Dadurch sinkt der Grundumsatz und zwar um 15 kcal pro abgenommenes Kilogramm Körpergewicht. »Wenn man nach einer Diät wieder normal isst, nimmt man wieder zu – der bekannte Jojo-Effekt«, sagte Bojunga. Und da man mehr Fett zunehme als fettfreie Masse, stehe man nach jedem Gewichtszyklus metabolisch schlechter da als zuvor.
Mit den sogenannten Abnehmspritzen, pharmakologisch korrekt als Inkretinmimetika bezeichnet, kann man effektiv Gewicht verlieren: In Studien ließ sich mit dem GLP-1-Agonisten Semaglutid (Ozempic®) etwa 15 Prozent, mit dem GIP/GLP-1-Rezeptor-Agonisten Tirzepatid (Mounjaro®) etwa 22 Prozent und mit dem experimentellen Tripelagonisten Retatrutid fast 24 Prozent Gewicht reduzieren. »Damit kommen wir fast in den Bereich der bariatrischen Chirurgie«, sagte der Mediziner.
Aber mit diesen Medikamenten sehe man – nach dem Absetzen - den gleichen Rebound-Effekt wie bei Diäten. Sogar noch stärker, wie eine aktuelle Metaanalyse zeigt, die im »British Medical Journal« veröffentlicht wurde. »Aus diesem Grund raten wir von kurzfristigen Maßnahmen ab«, sagte Bojunga. Wie lang muss man die Inkretinmimetika anwenden? Diese Frage sei noch unbeantwortet, berichtete der Mediziner. Die Fettzellen, die in Teilen für das Food-Craving und den Jojo-Effekt verantwortlich sind, würden bei Gewichtsreduktion nur kleiner, lebten aber noch etwa zehn Jahre. »Ein Einsatz der Medikamente für ein bis zwei Jahre ist daher nicht sinnvoll, sondern rausgeschmissenes Geld«, betonte der Experte. »Davon muss man unbedingt abraten.« Er empfiehlt, die Therapie für etwa drei bis fünf Jahre durchzuführen. Hier fehlten aber noch Langzeitdaten.
Sein Fazit aus den aktuellen Daten: Bei geringem Übergewicht seien vermutlich Lebensstiländerungen sinnvoller als Abnehmspritzen und bei starkem Übergewicht eine Kombination aus beidem.