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Schmerztherapie
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Klare Regeln für die Opioidtherapie

Patienten mit moderaten bis starken Schmerzen brauchen oft zentral wirksame Opioide. Dies werden bei Bedarf ergänzt mit anderen Arzneistoffen, aber niemals werden schwache und starke Opioide kombiniert.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 25.03.2026  18:00 Uhr

Bei der Opioidtherapie gelten einige Grundprinzipien: orale Form bevorzugen, Medikation nach festem Zeitplan geben, Wirkstoff und Dosierung individuell für den Patienten auswählen sowie auf Nebenwirkungen und Kontraindikationen achten.

Schwache Opioide wie Tramadol und Tilidin wirken schmerzstillend und dämpfend. Mögliche Nebenwirkungen sind Atemdepression, Schwindel mit Sturzgefahr, Müdigkeit (cave Verkehrstüchtigkeit) und Verstopfung. »Denken Sie an ein Laxans, das kann auf dem Btm-Rezept mitverordnet werden«, informierte Magdalena Dolp von den Staufen Apotheken, Wangen im Allgäu, kürzlich beim Schwarzwälder Frühjahrskongress der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg.

Die Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie wies auf den Ceiling-Effekt bei schwachen Opioiden hin. »Im oberen Dosierungsbereich kann man durch weitere Dosissteigerung keine bessere Analgesie erreichen, nur mehr Nebenwirkungen.« Niemals würden Opioide der Stufe II und III kombiniert.

Tramadol hat zusätzlich eine serotonerge Wirkung und kann daher hilfreich bei neuropathischen Schmerzen sein. Diese kann aber auch Nachteile haben, zeigte Dolp an einem Fallbeispiel. Eine 53-jährige Patientin mit Fluoxetin-Verordnung wurde von Tilidin umgestellt auf Tramadol und entwickelte neue Symptome wie Herzrasen, erhöhte Temperatur, Verwirrtheit, Übelkeit und Erbrechen. Was war passiert? Tramadol und Fluoxetin sind Serotonin-Agonisten. »Die Patientin entwickelte ein Serotonin-Syndrom: Das kommt selten vor, kann aber passieren.«

Wie funktioniert die Opioidrotation?

Starke Opioide wie Morphin, Hydromorphon, Buprenorphin, Fentanyl, Oxycodon, Levomethadon und Tapentadol wirken hochanalgetisch, dämpfend, anxiolytisch und atemdepressiv. Diese anfänglichen Nebenwirkungen sollten mit der Zeit verschwinden, informierte Dolp. Wenn nicht, könne man eventuell die Dosis reduzieren oder das Intervall verlängern. Zu den persistierenden Nebenwirkungen zählen Obstipation, Fatigue und Hyperhidrose.

Starke Opioide haben in der Regel keine Maximaldosis; bei unzureichender Wirkung trotz Dosissteigerung könne man einen Opioidwechsel (Rotation) erwägen. »Hier ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit enorm wichtig.«

Bei einer Opioidrotation muss man rechnen. Spezifische Umrechnungsfaktoren berücksichtigen die unterschiedlichen Wirkstärken der Opioide und ermöglichen so die Ermittlung äquipotenter Dosierungen. Beispiel: Morphin hat den Faktor 1, Hydromorphon den Äquivalenzfaktor 5 und Fentanyl 100. Zur Berechnung gibt es verschiedene Tools; Dolp nannte beispielhaft den Opioidrechner des Unihospitals Basel. Wichtig: Die errechnete äquipotente Dosierung wird zunächst um 30 bis 50 Prozent reduziert, um der genetischen Variabilität und Bioverfügbarkeit Rechnung zu tragen.

Kleiner Exkurs: In der Palliativversorgung kombiniere man gerne Metoclopramid (MCP) und Opioide, da sie synergistisch wirken, berichtete die Apothekerin. MCP als Hemmer des Stoffwechselenzyms Cyp2D6 verstärke die analgetische Wirkung der Opioide, und deren Wirkung trete durch die MCP-beschleunigte Magenentleerung schneller ein. Zudem dämpfe MCP die Übelkeit. Man müsse aber auf eine verstärkte Sedierung achten.

»Gerade bei Schmerzpatienten gilt: Das empathische Zuhören und Beraten bewirken bereits eine Schmerzlinderung. Ihre Beratungskompetenz führt zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität ihrer Patienten«, schloss Dolp.

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