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Pandemie-Folgen
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Kinder in der Pubertät am meisten betroffen

Die Pandemie ist vorbei, die Einschränkungen auch, aber junge Menschen spüren noch immer die Folgen der Corona-Politik – vor allem, wenn die Pandemie mit der Pubertät zusammen fiel. Wie blicken Lehrer, Ärzte und Forscher heute auf diese Zeit?
AutorKontaktdpa
Datum 02.01.2025  17:00 Uhr
Mehr Psychotherapie, Sport und Gesundheitserziehung

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Rückblickend sagt Moebus klar: »Damals wurden viele Fehler gemacht.« Das anfängliche Argument, Kinder würden das Virus verbreiten, habe sich bald als falsch herausgestellt. Aber niemand habe darauf reagiert: »Man hat die Kinder auch dann noch weggesperrt, als geimpfte Rentner schon lange wieder munter unterwegs waren.«

Wie kann man den Kindern helfen? In der Kinderarztpraxis sei das kaum möglich, sagt Moebus. Viele Patienten müssten er und seine Kollegen an Psychiater oder Psychologen verweisen, »aber die Wartezeiten sind völlig indiskutabel«. Was die körperlichen Defizite betrifft, würde sich Moebus »ein Rezept für Bewegung« wünschen, vielleicht auch für Theaterbesuche oder Musik. »Mein dringlichster Wunsch wäre eine vernünftige Gesundheitserziehung in der Schule.«

Lehrer sehen »nachhaltige Folgen«

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht heute vieles anders als damals. »Die Schulschließungen werden inzwischen ganz überwiegend kritisch bewertet«, fasst Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen das Stimmungsbild bei hessischen Lehrerinnen und Lehrern zusammen. Zwar habe zu Beginn der Pandemie für die meisten der Infektionsschutz Priorität gehabt. »Zu Recht wird aber kritisiert, dass Kinder und Jugendliche sehr viele Entbehrungen tragen mussten, während anderen weniger weitreichende Einschränkungen zugemutet wurden.«

Zu den »nachhaltigen Folgen der Coronapandemie« zählen inhaltliche Schwächen, etwa in der Rechtschreibung oder in den Fächern, bei denen viel Stoff wegfiel. Die Lehrkräfte sehen aber auch Veränderungen: Die Kinder könnten sich tendenziell schlechter konzentrieren und Stress schlechter regulieren als vor der Pandemie. Mehr Kinder zeigten sozial unangepasstes Verhalten oder Anzeichen von psychischen Belastungen.

»Letztendlich ist es aber nicht möglich, diese Beobachtungen eindeutig auf die Coronapandemie zurückzuführen«, schränkt Hartmann ein. Es könnte zum Beispiel auch daran liegen, dass Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit am Bildschirm verbringen, dadurch mehr mit problematischen Inhalten in Kontakt kommen, sich zu wenig bewegen und reale Kontakte einschränken. Allerdings hängt auch das wieder mit Corona zusammen, denn viele Familien haben in dieser Zeit technisch aufgerüstet, die Kinder sich an lange Bildschirmzeiten gewöhnt.

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