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PEI-Bericht
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Kein Risikosignal für Myokarditis nach Corona-Impfung

Thrombosen, Myokarditis und Guillain-Barré: Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat in seinem neuesten Sicherheitsbericht die Verdachtsmeldungen zu den vier zugelassenen Covid-19-Impfstoffen genau analysiert – und kein neues Sicherheitssignal gefunden. Vom sogenannten TTS seien aktuell Frauen und Männer aller Altersgruppen betroffen. Es könnte nach der Zweitimpfung deutlich schneller auftreten.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 10.06.2021  18:00 Uhr

TTS kann schneller nach Zweitimpfung auftreten

»Bis auf eine Meldung betrafen alle Berichte eines TTS die erste Impfung« heißt es in dem Bericht. Bei einem Mann Ende 40 wurde ein TTS, genauer gesagt eine Sinusthrombose, nach zweiter Vaxzevria-Impfung berichtet – und das in Form von Kopf- und Muskelschmerzen sowie eines generalisierten Krampfanfalls innerhalb von 21 Stunden nach der Zweitimpfung. Der Mann hatte allerdings unabhängig von der Impfung auch an einer Lungenentzündung gelitten. »Ob die vorhergehende Pneumonie und Inflammation zur Nebenwirkung beigetragen hat, kann nicht abschließend beurteilt werden«, heißt es im Bericht.

Bemerkenswert sei die kurze Latenzzeit zwischen Impfung und Symptomen, wie sie auch bei Heparin-induzierter Thrombozytopenie (HIT) nach Reexposition mit Heparin beobachtet werde. Bei Fällen eines TTS nach erster Impfung treten erste Symptome demgegenüber nach einer Latenzzeit von wenigen Tagen auf.

Unter Berücksichtigung der verimpften Dosen ergebe sich eine Gesamtmelderate von 1,24 Fällen eines TTS auf 100.000 Erstimpfungen mit Vaxzevria, so das PEI. Allerdings stelle diese Melderate vermutlich eine deutliche Unterschätzung des Risikos dar, da nicht alle Fälle eines TTS gemeldet werden (Dunkelzifferrate).

Eine dänisch-norwegische populationsbasierte Registerstudie kam zu dem Ergebnis, dass 11 zusätzliche Thrombosen pro 100.000 Vaxzevria-Impfdosen vorkommen, darunter 2,5 Sinusthrombosen. »Nach den Meldungen an das Paul-Ehrich-Institut sind aktuell Frauen und Männer aller Altersgruppen von TTS betroffen«, heißt es in dem Bericht. Dabei sei die sehr seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung im Kontext mit dem Nutzen der Impfung zu sehen. Mit steigendem Alter und steigenden Infektionszahlen steige der individuelle Nutzen der Impfung.

Dem PEI wurden im übrigen auch 735 Fälle verschiedener thromboembolischer Ereignisse unter Comirnaty gemeldet, allerdings bislang kein TTS. Einzelne Fälle würden noch abgeklärt. Unter Moderna-Impfung gab es 68 Verdachtsmeldungen thromboembolischer Ereignisse. Unter Janssen-Impfung kam es zu einem Myokardinfarkt und einer Lungenembolie bei zwei Personen über 60.

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