| Jennifer Evans |
| 05.02.2026 08:00 Uhr |
Für die Reichen war Wasser ein Getränk niedrigen Ranges, Wein dagegen fast wie Medizin. Ärzte priesen ihn als stärkend, nährend oder sogar förderlich für ungeborene Kinder an. Doch nicht jeder folgte dem Alkoholtrend. Einige Bischöfe tranken reines Wasser aus Frömmigkeit. Und auch König Duarte von Portugal habe die gesundheitlichen Vorteile gelobt, so Harvey. Er glaubte beobachtet zu haben, dass Frauen länger lebten, wenn sie überwiegend Wasser tranken.
In vielen Städten entstanden damals Wasser- und Abwassersysteme – mit Brunnen, Leitungen und strengen Hygienevorschriften. Laut einem flämischen Leitfaden für gesundes Leben aus dem 15. Jahrhundert sollte das ideale Haus über eine zuverlässige Versorgung mit »reinem, süßem, fließendem Wasser« verfügen, das »im Winter schnell kalt und im Sommer schnell warm wird und an grünen Weiden und Feldern vorbeifließt«.
Heute fürchteten wir zwar keine kalten Getränke mehr und sähen Wein nicht mehr als die gesündere Alternative, so die Historikerin. »Aber es scheint, dass wir schon immer verstanden haben, dass sicheres, sauberes Trinkwasser für das Leben unverzichtbar ist«, schreibt sie.