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WHO-Empfehlung
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JN.1-basierte Covid-19-Impfstoffe weiterhin aktuell

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte am 23. Dezember 2024 die aktuellen Empfehlungen zur Antigenzusammensetzung von Covid-19-Impfstoffen. Demnach sollen weiterhin Impfstoffe auf Basis der JN.1-Linie eingesetzt werden, da diese eine gute Immunantwort gegen zirkulierende Varianten induzieren.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 02.01.2025  14:00 Uhr
JN.1-basierte Covid-19-Impfstoffe weiterhin aktuell

Kurz vor Jahresende traf sich noch einmal die »Technical Advisory Group on Covid-19 Vaccine Composition« (TAG-CO-VAC) der WHO, um über genetische und antigene Entwicklungen von SARS-CoV-2, Immunantworten auf Infektionen und Impfungen sowie Wirksamkeit der aktuellen Covid-19-Impfstoffe zu beraten. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, weiterhin Impfstoffe auf Basis der JN.1-Linie von SARS-CoV-2 zu empfehlen.

Grundlage dieser Empfehlung bilden folgende Erkenntnisse aus umfangreichen Analysen:

  • Die zirkulierenden Varianten stammen alle von der JN.1-Linie ab, wobei XEC zunehmend dominierend ist. JN.1-Derivate wie KP.2 und KP.3 sind antigenisch eng verwandt. Neue Varianten wie LP.8.1, NP.1 und LF.7.2 werden beobachtet, da sie potenziell stärkere Immunflucht aufweisen könnten.
  • Studien mit tierischen Antisera zeigen, dass JN.1-Derivate antigenisch sehr ähnlich sind.
  • Die Immunisierung mit monovalenten JN.1- oder KP.2-Impfstoffen führt zu signifikant erhöhten neutralisierenden Antikörpertitern, die gegen alle getesteten JN.1-Abkömmlinge kreuzreaktiv sind. Die Antikörpertiter gegen KP.3.1.1 und XEC waren jedoch etwas geringer (circa zweifache Reduktion) als die gegen das homologe Antigen.
  • Antisera von Personen, die mit XBB.1.5 geimpft wurden, zeigten eine geringere Kreuzneutralisation gegenüber neueren JN.1-Varianten als JN.1- oder KP.2-Impfsere.
  • Hinsichtlich der Impfeffektivität (VE) boten monovalente XBB.1.5-Impfstoffe einen zusätzlichen Schutz gegen schwere Erkrankungen und Tod während der XBB-Zirkulation. Während der JN.1-Zirkulation war der zusätzliche Nutzen jedoch geringer. Studien zur relativen VE deuten darauf hin, dass monovalente XBB.1.5-Impfstoffe eine reduzierte Effektivität gegen JN.1-Derivate aufweisen.
  • Aus präklinischen Daten lässt sich ableiten, dass Impfstoffe mit JN.1- oder KP.2-Antigenen in Mausmodellen eine gute Neutralisation von JN.1 und seinen Abkömmlingen zeigten, wobei die Titer gegen KP.3.1.1, XEC und MC.1 etwa zweifach niedriger waren als gegen das homologe Immunisierungsantigen.
  • Die klinischen Daten der Impfstoffhersteller zeigen, dass die Seren von Personen, die mit monovalenten JN.1 geimpft wurden, JN.1 und seine Derivate (einschließlich KP.3.1.1 und XEC) gut neutralisierten.

Somit deuten die Daten darauf hin, dass die Immunisierung mit JN.1-basierten Impfstoffen breit wirksame neutralisierende Antikörper induziert, die gegen verschiedene JN.1-Varianten wirksam sind.

Der Bericht weist aber auch Einschränkungen und Datenlücken aus. Demnach sind viele Datensätze wegen mangelhafter Berichterstattung von Fällen, Hospitalisierungen und Todesfällen unvollständig. Ferner erschwert eine eingeschränkte genetische Überwachung die Beurteilung der epidemiologischen Trends.

Bei den immunologischen Daten fehlen umfassende Daten zu anderen Aspekten der Immunantwort (zum Beispiel zelluläre Immunität) und der Immunantwort bei Infektionen mit neueren Varianten. Auch die Daten zur VE sind wegen einer begrenzten Anzahl an Studien mit geringer geographischer Diversität und einer Vielfalt an Impfstoffplattformen mit Einschränkungen valide.

Dennoch kommt TAG-CO-VAC zu der Empfehlung, die aktuelle Impfstoffantigenzusammensetzung beizubehalten, das heißt, monovalente Impfstoffe auf Basis von JN.1-Derivaten (NextStrain: 24A, GenBank: PP298019, GISAID: EPI_ISL_18872762) zur Impfung einzusetzen.

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