Eine Befragung zeigt: Ärzte und Apotheker nehmen die interprofessionelle Zusammenarbeit teils deutlich anders wahr, auch was die Erreichbarkeit betrifft. / © Getty Images/alvarez
In ihrer Masterarbeit untersuchte Luisa Dullin, Rats-Apotheke in Osterode, auf welchem Stand sich die Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen der Hausärzte und Apotheker befindet und durch welche Faktoren sie maßgeblich beeinflusst wird.
Ziel war es, Barrieren und Förderfaktoren im Versorgungsalltag zu identifizieren. Als Basis diente die Analyse des Ist-Zustands mithilfe eines standardisierten australischen Fragebogens. Befragt wurden Hausärztinnen und Hausärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker innerhalb desselben Versorgungsnetzwerks. Nachdem sie die Befragung ausgewertet hatte, diskutierte Dullin die Ergebnisse in vier Interviews mit einem Teil der Studienkohorte.
Der Fragebogen ATCI-GP/P (Attitudes Toward Collaboration Instrument for general practitioners and pharmacists) wurde für die Befragung von Hausärzten und Apothekern entwickelt. Er beinhaltet 15 Aussagen, um die jeweilige Einstellung zur Zusammenarbeit zu bewerten. Anhand einer mehrstufigen Skala kann die Zustimmung zu Aussagen von »stimme zu« bis »stimme nicht zu« ausgedrückt werden. In einem zweiten Teil des Fragebogens werden die Häufigkeit der Zusammenarbeit und allgemeine Sachverhalte berücksichtigt.

Apothekerin Luisa Dullin / © Rats-Apotheke Osterode OHG
»Wir sollten nicht länger nebeneinanderher arbeiten. Eine sichere Arzneimitteltherapie braucht beide Berufsgruppen als Team.«
Sowohl die Befragung als auch die anschließenden Interviews lieferten einen überwiegend positiven Blick auf die Thematik. Darüber hinaus zeigte sich aber deutlich: Die Unterschiede zwischen den beiden Berufsgruppen sind groß. Insbesondere im Hinblick auf gegenseitige Erreichbarkeit und Kommunikation fielen die Antworten gemischt aus. So äußerten ausschließlich Apotheker Probleme bei der Klärung von Anliegen, während die Hausärzte ihre eigene Erreichbarkeit fast durchweg positiv einschätzten.
Beispielfrage aus dem allgemeinen Befragungsteil des ATCI-GP/P-Fragebogens / © PZ-Grafik/Pfeifer
Aus den Befragungsergebnissen konnten drei relevante Themengebiete abgeleitet werden:
Als häufigste Barrieren wurden die systemischen Gegebenheiten und Unterschiede in der gegenseitigen Erreichbarkeit genannt. Absprachen zu Kontaktwegen und -zeiten sowie die stärkere Einbindung von PTA und MFA konnten als wichtige Förderfaktoren herausgearbeitet werden.
Apotheken und Arztpraxen sind grundlegend verschiedene Institutionen des Gesundheitssystems mit unterschiedlicher Arbeitsweise. Dieser Umstand beeinflusst die interprofessionelle Zusammenarbeit zwangsläufig. Insgesamt konnte die aktuelle Studienlage durch die Untersuchung bestätigt werden: Ein Austausch findet zu selten statt und beschäftigt sich häufig mit bürokratischen Herausforderungen und selten mit fachlichen Kompetenzen.