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Phytopharmazie
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Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres gekürt

Ingwer wird in der Küche vielseitig verwendet. Das Gewächs hat aber nicht nur eine geschmackliche, sondern auch eine gesundheitsfördernde Wirkung – die bringt ihm einen Titel ein.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 06.01.2026  12:00 Uhr
Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres gekürt

Ingwer (Zingiber officinalis) ist zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt worden. Ausschlaggebend hierfür sei unter anderem die Neubewertung seiner gesundheitsfördernden Wirkung, hieß es in einer Mitteilung des Studienkreises Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde, der die Auswahl zusammen mit der Gesellschaft für Phytotherapie getroffen hat.

Ingwer enthält eine ganze Reihe an Inhaltsstoffen. Wesentliche Bestandteile sind unter anderem ätherische Öle sowie Gingerol, das für die Schärfe verantwortlich ist. Außerdem enthält das Rhizom Borneol und Cineol, die Scharfstoffe Shogaol und Zingeron sowie Vitamin C und mit Magnesium, Eisen, Calcium, Kalium, Natrium und Phosphor einige Mineralstoffe.

Laut Studienkreis hat Ingwer eine lange Tradition. Bereits in der Antike sei die Pflanze bei Erkrankungen von Magen, Darm und Atemwegen angewendet worden. Auch in der Klostermedizin des Mittelalters habe er eine wichtige Rolle gespielt. 

Der Studienkreis beruft sich bei seiner Wahl auf den Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), der drei neue Einsatzgebiete für Ingwer in seine Bewertung aufgenommen hat.

Gegen Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Erkältung und Gelenkschmerzen

Arzneilich verwendet wird das knollige Rhizom der Pflanze, der Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma). Der HMPC hat die vorbeugende Anwendung gegen Reisekrankheit mit Übelkeit und Erbrechen als »well-established use« anerkannt. Als traditionelles Arzneimittel (»traditional use«) wird Ingwer zur Linderung der Symptome der Reisekrankheit und zur Behandlung leichter krampfartiger Magen-Darm-Beschwerden, die mit Blähungen und Flatulenz einhergehen, eingestuft. Neu in die Bewertung als traditional use wurde 2025 der präventive Einsatz bei Erwachsenen bei vorübergehender Appetitlosigkeit und zur Linderung leichter Gelenkschmerzen sowie bei Erkältungssymptome aufgenommen.

Die Beurteilung und Schlussfolgerung des HMPC beruhen einerseits auf der langjährigen Anwendung gegen Reisekrankheit im Rahmen des »traditional use«, also einer sicheren Anwendung über mindestens 30 Jahre, sowie von klinischen Studien, die Ingwerwurzelstock mit Placebo zur Vermeidung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit verglichen. Die Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Ingwerwurzelstock Placebo überlegen ist und der Wirksamkeit anderer Arzneimittel gegen Reisekrankheit in nichts nachsteht.

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde verweist allerdings darauf, dass die Datenlage nicht einheitlich sei.

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