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BMG-Staatssekretär Kippels
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»Infrastruktur vor zunehmenden hybriden Angriffen schützen«

»Vernetzt, gesteuert, resilient« – das ist das Motto des Kongresses für Gesundheitsnetzwerker. BMG-Staatssekretär Georg Kippels (CDU) warnte in seiner Keynote vor zunehmenden hybriden Angriffen sowie vor Lieferengpässen.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 18.03.2026  14:00 Uhr

Mehr Tests in Apotheken bedeuten nicht schnellere Behandlungen

Auch Christiane von der Eltz, Vorstandsmitglied von Berlin-Chemie, hielt eine Keynote. »Wir alle haben die Corona-Pandemie erlebt, wir sind aber für ähnliche Situationen nicht vorbereitet«, sagte sie. Der Pharmadialog mit der Bundesregierung versuche zwar, Lösungen für die Pharmaindustrie zu finden und Deutschland als Standort zu stärken, doch immer mehr Unternehmen würden ihre Produktion ins Ausland verlagern, was die Situation in Krisenzeiten erschwere. Um die Arbeit der Pharmaindustrie zu erleichtern, plädierte sie für das wegen seiner Intransparenz umstrittene Verfahren der vertraulichen Erstattungspreise für Arzneimittel.

Außerdem will sie mehr Vernetzung unter den Akteuren im Gesundheitswesen. Auch das Primärversorgungssysteme sieht sie positiv: »Die Steuerung der Patienten schont die finanziellen Ressourcen.« Im Moment würden Risikofaktoren zu spät erkannt und die Präventionsangebote zu wenig in Anspruch genommen. »Auch wenn Apotheken mehr Tests anbieten, heißt das nicht, dass die Patientinnen und Patienten schneller behandelt werden«, so von der Eltz. 

Medizinische Innovation ja, aber für wen?

Anschließend fand eine Diskussionsrunde mit dem Titel »Das Gesundheitswesen krankt« statt. Mit dabei waren Brenya Adjei (Geschäftsführerin der Gematik), Thomas Ballast (Techniker Krankenkasse), Susanne Johna (Vizepräsidentin der Bundesärztekammer), Han Steutel (Präsident des vfa) und Andreas Zaby (Bundesagentur für Sprunginnovationen).

»Innovation ist etwas Tolles und Wichtiges. Aber gleichzeitig haben viele Krankenhäuser oder Apotheken auf dem Land nicht einmal schnelles Internet. Wir müssen die technische Infrastruktur ausbauen«, sagte Adjei. Auch Johna sieht Verbesserungspotenzial. Sie wies auf die schlechten Umstände in Krankenhäusern hin. »Wir hätten gerne eine gute Digitalisierung«, sagte die Ärztin. Sie stellte auch eine ethische Frage in den Raum: »Gentherapie würde uns viel bringen, aber da stellt sich die Frage, wer davon profitieren würde.« Sie sieht die Notwendigkeit einer ethischen Diskussion. Einerseits werde über Medikamente diskutiert, die Millionen kosten, anderseits gebe es eine Debatte um Zahnarztkosten. Damit ist der Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrats gemeint, Zahnbehandlungen als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen, was die Bundsgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) ausgeschlossen hat. 

»Wir freuen uns über jede diagnostische Möglichkeit, die einen Nutzen mit sich bringt. Bei Arzneimitteln haben wir eine reale Nutzenbewertung, die dann oft ernüchternd ausfällt«, sagte Ballast. Steutel stellte ein weiteres Problem in den Raum. Er glaubt, dass sich die Pharmaindustrie in den nächsten Jahren neu erfinden muss, »ansonsten haben wir keine Zukunft«, sagte er und nannte die Automobilindustrie als Beispiel.

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