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EU-Freihandelsabkommen
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Indien streicht Zölle für EU-Arzneimittel

Als »Mutter aller Deals« bezeichnete Indiens Premier Modi das neue Freihandelsabkommen mit der EU. Für die Pharmabranche bedeutet es den weitgehenden Abbau der Zölle auf EU-Arzneimittel von derzeit 11 Prozent. Sehr zur Freude der deutschen Pharma-Unternehmen. Beim Thema Patentschutz gibt sich die Branche aber noch zurückhaltend.
AutorKontaktEv Tebroke
Datum 29.01.2026  15:30 Uhr

Nach fast 20 Jahren Verhandlung haben die EU und Indien am 27. Januar ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das sogenannte Broad-based Trade and Investment Agreement (BTIA) ist für beide Handelspartner das bisher größte Abkommen dieser Art. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten wollen beide Seiten den wirtschaftlichen und politischen Austausch künftig intensivieren. Damit einher geht ein massiver Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen. Auch für die Pharmabranche.

Die EU ist Indiens größter Handelspartner. Laut EU-Kommission bezifferte sich der Warenhandel im Jahr 2024 auf 120 Milliarden Euro. Das entspricht 11,5 Prozent des gesamten indischen Handels. Für die EU wiederum liegt Indien bei den Handelspartnern auf Platz 9: 2024 hatte das Land einen Anteil von 2,4 Prozent am gesamten Warenhandel. Die EU-Kommission erwartet nach eigenen Angaben, dass sich die EU-Warenausfuhren nach Indien durch das Abkommen verdoppeln. Denn mehr als 90 Prozent der Zölle auf fast alle EU-Warenausfuhren (96,6 Prozent) nach Indien sollen gesenkt oder ganz abgeschafft werden. Insgesamt werden dadurch jährlich rund 4 Milliarden Euro an Zolleinsparungen erwartet.

Beachtliche Handelserleichterungen

Für die europäische Pharmabranche bedeutet die »Mutter aller Deals«, wie Indiens Premier Narendra Modi das Abkommen nannte, beachtliche Handelserleichterungen. So will Indien die derzeit bei 11 Prozent liegenden Zölle auf Arzneimittel größtenteils komplett abschaffen. Insgesamt hat die EU-Pharmaindustrie nach Kommissionsangaben in 2024 Produkte im Wert von mehr als 1 Milliarde Euro nach Indien exportiert.

Deutsche Pharmaexporte beliefen sich im Jahr 2024 nach Angaben von Pharma Deutschland auf rund 298 Millionen US-Dollar (etwa 250 Millionen Euro) mit entsprechendem Wachstumspotenzial. Für 2025 (Januar bis November) beziffert der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) die Pharmaexporte nach Indien auf etwa 300 Millionen Euro.

Was das Abkommen im Detail bedeuten würde, bleibt noch abzuwarten. Bislang seien zu dem Abkommen noch längst nicht alle pharmarelevanten Details klar, so das Feedback aus der Branche. Insbesondere rund um das Thema Patentschutz fehlen demnach noch konkrete Informationen. Auf EU-Seite sollen die ausgehandelten Textentwürfe aber in Kürze vorgelegt werden.

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