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PPAR-Rezeptoren vermitteln vielfältige Effekte

02.06.2003
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Glitazone

PPAR-Rezeptoren vermitteln vielfältige Effekte

von Dominic Fenske und Matthias Husmann, Mainz

Dieser Beitrag befasst sich mit dem PPA-Rezeptoren und dem zellulären Wirkungsmechanismus der Thiazolidindione (TZD). In einem Folgebeitrag werden pharmakokinetische und -dynamische Charakteristika der Glitazone vorgestellt.

Thiazolidindione oder Glitazone stellen eine neue Wirkstoffklasse zur Behandlung des Typ-2-Diabetes dar. Sie werden als Insulinsensitizer oder Insulinreaktivatoren beschrieben, da sie die Sensitivität gegenüber Insulin in Glucose verbrauchenden Geweben erhöhen.

Die Wirkstoffe binden vornehmlich an den Gamma-Subtyp des Peroxisome-proliferator-activated-receptor (PPAR). Dieser nukleäre Rezeptor ist wesentlich an der Reifung des Präadipozyten zum Adipozyten sowie am Glucose- und Fettstoffwechsel beteiligt. Zurzeit befinden sich aus der Gruppe der Glitazone die Substanzen Pioglitazon und Rosiglitazon auf dem Markt. Troglitazon ist wegen seiner Hepatotoxizität nicht mehr zugelassen.

Ebenso wie membranständige Rezeptoren binden nukleäre Rezeptoren einen Liganden. Da diese Bindung im Zellinneren stattfindet, muss es sich bei den Liganden nukleärer Rezeptoren um lipophile Moleküle handeln, die die Zellmembran passieren können. Glucocorticoide und Steroidhormone sind typische Beispiele von lipophilen Arzneistoffen, die nach Passage der Zellmembran im Zellinneren an ihren Rezeptor binden.

 

Metabolisches Syndrom Der Diabetes mellitus ist eine durch chronische Hyperglykämie charakterisierte Regulationsstörung des Stoffwechsels, die auf gestörter Insulinsekretion und Wirkung beruht. Die beim Typ-2-Diabetes auftretende Insulinresistenz wird heute auch als prädisponierender Faktor für die Begleiterkrankungen des Typ-2-Diabetes, nämlich Hyperlipidämie, Adipositas und Hypertonie, angesehen. Zusammen werden diese Stoffwechselstörungen auch als tödliches Quartett oder metabolisches Syndrom bezeichnet.

 

Die Ligandbindung führt zu Aktivierung und Konformationsänderung des Rezeptors. Es kommt zur Abspaltung von inhibitorischen Proteinen, die auch als Korepressoren bezeichnet werden. So genannte Klasse-1-nukleäre-Rezeptoren wandern daraufhin aus dem Zytosol in den Zellkern ein und binden an die DNA. Die Klasse-2-nukleären-Rezeptoren sind auch im inaktiven Zustand an die DNA gebunden; eine konstitutive Aktivität wird auch hier durch Korepressoren verhindert. Da die Aktivierung auch von einem Liganden abhängig ist, werden nukleäre Rezeptoren mitunter als „ligandgesteuerte Transkriptionsfaktoren“ bezeichnet.

Aktivierung nukleärer Rezeptoren

Im Zellkern binden nukleäre Rezeptoren typischerweise an bestimmte Bindungsstellen auf der DNA - als responsive element bezeichnet -, die sich durch eine für jeden nukleären Rezeptor typische Basensequenz auszeichnen. So bindet beispielsweise der Glucocorticoidrezeptor an das Motiv: AGAACAnnnTGTTCT, wobei „n“ für ein beliebiges Nucleotid steht. Ein solches Motiv wird auch als consensus site bezeichnet.

An der DNA-Bindung sind in der Regel Rezeptordimere beteiligt. Unabhängig von der Klasse der nukleären Rezeptoren können Homo- wie auch Heterodimere gebildet werden. Der Glucocorticoidrezeptor bildet meist Homodimere, während der im weiteren besprochene PPAR Heterodimere mit dem Retinoid-x-Rezeptor (RXR) bildet. Neben diesen klassischen Wechselwirkungen mit der DNA könnten nukleäre Rezeptoren auch über Protein-Protein-Wechselwirkungen an nicht-consensus sites binden (1). Jedenfalls kann PPARg mit anderen Transkriptionsfaktoren interagieren, zum Beispiel mit Sterol-regulary-element-binding-protein“ (SREBP1) und CCAAT-enhancer-binding-protein“ (CEBP) (2).

Dieses komplexe Bild wird durch weitere als Koaktivatoren bezeichnete Proteine ergänzt, die ihrerseits an die nukleären Rezeptoren binden und Aufgaben wie die Acetylierung der DNA übernehmen. Letztendlich resultiert aus der DNA-Bindung der nukleären Rezeptoren meist eine veränderte – nicht in jedem Fall erhöhte – Transkriptionsrate.

Ein nukleärer Rezeptor ist grundsätzlich aus mehreren Domänen aufgebaut. Für die Funktion als Rezeptor ist die Ligandenbindungsstelle (LBD) essenziell. Daneben weist das Protein immer auch eine DNA-Bindungsstelle auf (DBD). Interessanterweise sind die DNA-Bindungsstellen verschiedener nukleärer Rezeptoren sehr ähnlich, während die Ligandenbindungsstellen größere Unterschiede aufweisen (3). Vermittelt werden die Effekte der Rezeptoren über Transaktivierungsdomänen.

 

Englische Fachtermini und ihre Abkürzungen

  • CBP: CREB binding protein
  • CEBP: CCAAT enhancer binding protein
  • CREB: c-AMP response element binding protein
  • HR: hinge region
  • LBD: ligand binding domain
  • DBD: DNA binding domain
  • PPAR: peroxisome proliferator activated receptor
  • PPRE: PPAR response element
  • RXR: retinoid x receptor
  • SRC1: steroid receptor associated protein 1
  • SREBP1: sterol regulary element binding protein

 

Die Thiazolidindione binden an den Klasse-2-nukleären-Rezeptor PPARg. Dieser bildet Heterodimere mit dem Retinoid-x-Rezeptor. Das Heterodimer aus PPAR und RXR ist an DNA mit der idealen Basensequenz AGGTCAnAGGTCA gebunden. Diese als PPAR-response-element (PPRE) bezeichnete Basensequenz weist ein so genanntes direct repeat auf, mit einer Base Abstand zwischen den Wiederholungen (3).

Bindet nun ein PPAR- oder ein RXR-Ligand an den jeweiligen Rezeptor, ändert sich die Konformation. In der Folge werden die Korepressoren von dem Komplex abgespalten, während Koaktivatoren daran binden können (3 - 6). So führt beispielsweise der Koaktivator p300/CPB zur Acetylierung der Histone; dies bewirkt, dass die DNA in einer offeneren, für die Transkriptionsmaschinerie besser zugänglichen Form vorliegt (weitere Informationen zu Koaktivatoren in (7)). Eine sehr empfehlenswerte Beschreibung der Funktionsweise von Klasse-1-nukleären-Rezeptoren findet sich in „Goodman & Gillman`s The Pharmacological Basis of Therapeutics“ im Kapitel zu Hormonen und Hormonantagonisten.

Der RXR kann mit verschiedenen anderen nukleären Rezeptoren Heterodimere bilden. Neben den PPAR´s gehören auch der Retinsäurerezeptor (RAR), der Vitamin-D-Rezeptor und der Thyroidrezeptor zu seinen Bindungspartnern (8). Auf Grund dieser Eigenschaft erscheint es unwahrscheinlich, dass Liganden des RXR - ob Agonisten oder Antagonisten - zu absolut spezifischen Arzneimitteln entwickelt werden können.

Subtypen und Isoformen des PPAR

Derzeit sind drei Subtypen des Rezeptors bekannt: PPARa, -b und -g. Diese Rezeptoren regulieren die Expression von Genen, die für den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel von Bedeutung sind (4).

► PPARa wird stark in Leber, Herz, Muskulatur und Niere wie auch in der Arterienwand exprimiert. Hier reguliert der Rezeptor die Expression von Genen, die bei der b-Oxidation von Fettsäuren und beim Metabolismus von Lipoproteinen eine Rolle spielen. Es hat sich herausgestellt, dass die zur Behandlung der Hypertriglyceridämie verwendeten Fibrate schwache PPARa-Agonisten sind (3, 10).

► PPARb – auch als PPARd bezeichnet – wird ubiquitär exprimiert. Die biologische Funktion dieses Rezeptors ist weniger gut untersucht als die der Subtypen a und g. PPARb könnte essenziell für die Schaumzellbildung im atherosklerotischen Plaque sein (11). Darüber hinaus wird unter anderem eine Beteiligung bei der Entwicklung des Kolonkarzinoms, der Nidation des Embryos und der Proliferation von Präadipozyten diskutiert (10, 12 - 14).

► PPARg wird vornehmlich im Fettgewebe exprimiert, wo er wesentlich für die Reifung des Präadipozyten zum Adipozyten und für den Glucosestoffwechsel ist (9, 10). Es werden die Isoformen PPARg1, -g2 und -g3 unterschieden. PPARg1 und -g3 haben unterschiedliche Promotoren und unterscheiden sich auf Ebene der mRNA, während das fertige Protein identisch ist. PPARg2 ist gegenüber den anderen Isoformen am N-Terminus um 31 Aminosäuren verlängert. Die Isoformen entstehen durch alternatives splicing; die funktionellen Unterschiede sind noch unklar (9, 15). Möglicherweise erhöht eine Phosphorylierung am verlängerten N-Terminus des PPARg2 die transkriptionelle Aktivität des Rezeptors (3, 16).

Während PPARg2 ausschließlich in Fettgewebe exprimiert wird (17), findet man PPARg1 auch in anderen Geweben wie Endothelzellen, Muskulatur, Monozyten und Makrophagen (4, 10, 18 - 20). Allerdings muss hierbei erwähnt werden, dass PPARg1 in diesen Geweben 10- bis 100fach schwächer exprimiert wird als im Fettgewebe (4, 9, 21). PPARg3 wird vornehmlich im Fettgewebe und im Darm exprimiert (22).

Verschiedene Eicosanoide und Fettsäuren können in mikromolaren Konzentrationen an PPARg binden und den Rezeptor aktivieren. Insbesondere müssen hier 15-Desoxyprostaglandin J2 (15d-PGJ2) sowie die Oxidationsprodukte der Linolsäure 9- und 13-Hydroxyoctadecadiensäure (HODE) genannt werden (3, 21, 23). Ob es sich bei diesen Substanzen um die physiologischen Liganden des Rezeptors handelt, ist allerdings noch unklar. 15d-PGJ2 ist jedenfalls nicht wie ursprünglich vermutet ein selektiver PPARg-Ligand, sondern hat auch rezeptorunabhängige Effekte (24, 25). Diese Information muss bei der Bewertung älterer Untersuchungen zu PPARg berücksichtigt werden.

Antidiabetische Effekte

Thiazolidindione binden an PPARg im nanomolaren Bereich (40 bis 200 nM) (9, 21). Von den beiden derzeit im Markt befindlichen Substanzen bindet Rosiglitazon mit höherer Affinität an PPARg und ist in äquimolarer Dosierung, bezogen auf die Senkung des Blutzuckerspiegels, die effektivere Substanz. Pioglitazon wiederum bindet auch an PPARa, während Rosiglitazon kaum an diesen Subtyp bindet (26, 27).

Es gibt mehrere Gründe anzunehmen, dass die Blutzucker senkenden Eigenschaften der Glitazone über PPARg vermittelt werden. So binden die Substanzen mit hoher Affinität an den Rezeptor, und das Ausmaß der Blutzuckersenkung in vivo korreliert mit ihrer Bindungsaffinität und dem Ausmaß der PPARg-Aktivierung in vitro. Außerdem haben RXR-Agonisten in vivo ebenfalls antidiabetische Effekte gezeigt (9).

Der Wirkmechanismus der Arzneistoffe bleibt dennoch unklar, denn etwa 80 Prozent der insulinvermittelt aufgenommenen Glucose werden von der Skelettmuskulatur verbraucht, während PPARg hauptsächlich im Fettgewebe exprimiert wird. Für dieses Paradox werden verschiedene Erklärungsmöglichkeiten diskutiert. Eine besteht darin, dass Glitazone via PPARg die Expression des Glucose-4-Transporters (GLUT4) auf Adipozyten stimulieren und so die Glucoseaufnahme in Adipozyten steigern. In vitro konnte eine 3- bis 4fache Induktion des GLUT4-Transporters gezeigt werden (28, 29). Allerdings scheint es unwahrscheinlich, dass die Mehraufnahme von Glucose in Adipozyten ausreicht, um die deutlichen Effekte der Thiazolidindione zu erklären (30).

Weiterhin könnten Glitazone über parakrine Mechanismen die Glucoseaufnahme in die Muskulatur stimulieren. Prinzipiell könnte ihre Wirkung darin bestehen, die Expression eines Faktors zu erhöhen, der die Insulinresistenz vermindert, oder aber sie könnten die Expression eines Faktors vermindern, der zur Insulinresistenz führt.

So wurde gezeigt, dass der Tumornekrosefaktor a (TNFa) mit Insulinresistenz assoziiert ist (31 - 33). Glitazone könnten die TNFa-Sekretion von Fettzellen vermindern und so die inhibitorischen Effekte von TNFa auf die Insulinwirkung an der Muskelzelle aufheben (34 - 36).

Ähnlich könnte es sich mit Leptin verhalten, einem von Fettzellen gebildeten Hormon, das appetit- und gewichtsregulierende Wirkungen hat (37 - 42). Von freien, also unveresterten Fettsäuren wird ebenfalls vermutet, dass sie bei der Pathogenese der Insulinresistenz eine Rolle spielen. Thiazolidindione senken die Plasmaspiegel freier Fettsäuren sowohl durch verstärkte b-Oxidation in der Leber als auch durch vermehrte Aufnahme der freien Fettsäuren in Adipozyten (43).

Schließlich könnten die Effekte der Arzneistoffe auch unabhängig vom Fettgewebe sein. Die Substanzen könnten entweder doch direkt auf PPARg in den Muskelzellen oder über Leberzellen wirken, auch wenn der Rezeptor in diesen Zelltypen weniger stark exprimiert wird als in Adipozyten.

Um die Rolle bestimmter Gewebe bei der Wirkung der Thiazolidindione genauer zu untersuchen, sind Experimente mit Zellen hilfreich, deren PPARg selektiv ausgeschaltet wurde (knockout-Zelllinien). Mit Hilfe solcher Experimente konnten Forscher (45, 46) die von Kollegen (47) geäußerte Vermutung widerlegen, dass PPARg wesentlich für die Reifung des Monozyten zum Makrophagen sei. Solche Experimente sind auch Teil umfangreicher Untersuchungen zur Rolle von PPARg in der Pathogenese der Atherosklerose (45 - 47).

Einfluss auf die Atherosklerose

In diesem Zusammenhang wird beispielsweise diskutiert, welche Rolle PPARg bei der vermehrten Expression so genannter scavenger receptors (SR; „Aasfresser-Rezeptoren“) auf der Zelloberfläche von Makrophagen spielt. Diese Rezeptoren sind vermutlich entscheidend für die übermäßige Akkumulation von modifiziertem LDL in den Makrophagen.

Cholesterol wird im Serum im LDL-Partikel transportiert und nach enzymatischer oder oxidativer Modifizierung über die Aasfresser-Rezeptoren CD 36 und SR-A in die Zelle aufgenommen. SR-nehmen nur modifiziertes LDL auf, das normale LDL wird über den LDL-Rezeptor aufgenommen (negative Rückkopplung). Eine Überladung der Zelle mit Lipiden verursacht die Metamorphose des Makrophagen zur so genannten Schaumzelle, einem typischen Bestandteil atherosklerotischer Läsionen. Tatsächlich scheinen PPARg-Liganden gegensätzliche Effekte auf verschiedene SR-Typen zu haben. So exprimierten mit Troglitazon behandelte Makrophagen vermehrt den CD36-Rezeptor (scavenger receptor Typ B), während die Expression des Rezeptortyps A vermindert war. Beide Effekte glichen sich aus, so dass die Netto-Cholesterolaufnahme unverändert blieb (45).

Insgesamt könnte die Aktivierung von PPARg dennoch zu einer Entladung der Zellen von Cholesterol führen, denn nach anderen Ergebnissen induzieren PPARa- und PPARg-Liganden die Expression des reversen Cholesteroltransporters ABCA1 und damit den Efflux von Cholesterol aus den Makrophagen. Diese Ergebnisse sprechen für eine antiatherogene Wirkung dieser Liganden (48).

Antiinflammatorisch wirksam?

Untersucht werden auch antiinflammatorische Effekte von PPARg-Liganden. Oder neutraler: Untersucht wird auch, ob PPARg-Liganden antiinflammatorische Effekte haben. So führte Behandlung von Monozyten mit 15d-PGJ2 oder Glitazonen zu einer verminderten Freisetzung inflammatorischer Zytokine wie TNFa, IL-1b und IL-6 (49). Allerdings ist die hierzu benötigte Konzentration der PPARg-Liganden wesentlich höher als ihre Dissoziationskonstante. Eine Rolle für PPARg in diesem Kontext ist somit nicht gesichert (50).

Tatsächlich konnten Chawla und Mitarbeiter zeigen, dass Behandlung von Makrophagen mit verschiedenen Thiazolidindionen die Freisetzung von TNFa und IL-6 um 60 bis 80 Prozent verminderte. Dieses Ergebnis konnte jedoch auch in PPARg-defizienten Makrophagen wiederholt werden. Damit ist gezeigt, dass die untersuchten antiinflammatorischen Effekte der PPARg-Liganden unabhängig von der Expression dieses Rezeptortyps sind. PPARg kann somit kein Ziel für die antiinflammatorische Wirkung von Glitazonen sein. Die Autoren vermuten, dass direkt proinflammatorische Transkriptionsfaktoren wie NF-kB oder AP-1 gehemmt werden (46, 50).

Viele offene Fragen

Das Interesse der Wissenschaft an den PPAR ist in den letzten Jahren stark gestiegen und hat dazu geführt, dass ihr zellulärer Wirkungsmechanismus gut untersucht ist. Die Entdeckung hoch affiner PPARg-Liganden – Thiazolidindione – hat dazu wesentlich beigetragen. Dennoch ist nicht abschließend geklärt, welches die natürlichen Liganden dieser Rezeptoren sind und welche Gewebe sie unter physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen beeinflussen.

Zudem ist nach wie vor unklar, wie die Arzneistoffe ihre antidiabetischen Effekte entfalten, ob sie PPARg direkt aktivieren oder ob möglicherweise parakrine Mechanismen für die Wirkung entscheidend sind, da PPARg im Zielgewebe – der quergestreiften Muskulatur – nur wenig exprimiert wird. Weitere Untersuchungen an isolierten Fett-, Leber- und Muskelzellen könnten klären, welchen Anteil direkte und indirekte Effekte an der antidiabetischen Wirkung haben. Unklar ist auch, welche Rolle PPAR bei einer weiteren Volkskrankheit, der Atherosklerose, spielen und ob Glitazone diese möglicherweise positiv beeinflussen. Solche „Nebenwirkungen“ könnten für die Behandlung des Typ-2-Diabetes entscheidend werden, da Diabetiker ein erhöhtes Risiko für eine Atherosklerose haben.

Bei alldem ist es nicht verwunderlich, dass selbst die Aussprache des Namens „PPAR“ kontrovers ist. Einige sprechen jeden Buchstaben einzeln aus, andere binden die Buchstaben aneinander und sagen „pee-par-gamma“.

Die Wirkung der Thiazolidindione auf kardiovaskuläre Erkrankungen wird derzeit in der ProActive-Studie untersucht. Die Studie soll klären, ob die günstigen Effekte, die PPARg-Liganden in vitro auf die Atherosklerose gezeigt haben, klinisch zu einer verminderten kardiovaskulären Mortalität führen.

 

Literatur bei den Verfassern

 

Grundlegende Literatur

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Die Autoren

Dominic Fenske studierte Pharmazie in Bonn und wurde 1998 approbiert. Bei seiner Promotion in der Arbeitsgruppe von Professor Bhakdi, Mainz, beschäftigte er sich mit den Auswirkungen enzymatisch modifizierten LDLs auf die Genexpression von Endothelzellen. Diese Untersuchungen stehen in Zusammenhang mit der in Mainz entwickelten alternativen Hypothese zur Pathogenese der Atherosklerose. Seit Abschluss der Promotion Ende 2001 leitet Dr. Fenske die Arzneimittelausgabe der Apotheke des Klinikums der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz. Arbeitsschwerpunkte sind Information und Beratung des medizinischen Personals, pharmazeutische Logistik, Koordination der Weiterentwicklung der EDV der Apotheke. Dr. Fenske ist Fachapotheker für Klinische Pharmazie und nimmt an dem Förderprogramm des ADKA e.V. für Führungsnachwuchs in der Krankenhauspharmazie teil.

Matthias Husmann studierte Humanmedizin und wurde an der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz, promoviert. Dort arbeitete er mit Professor Bitter-Suermann am Institut für Medizinische Mikrobiologie, sammelte im Rahmen eines zweijährigen DFG-Stipendiums in der Arbeitsgruppe von M. Pfahl an der La Jolla Cancer Research Foundation, San Diego, USA, erste Erfahrung mit nukleären Rezeptoren und kehrte zurück ans Institut für Medizinische Mikrobiologie in Mainz (Leitung: Professor Sucharit Bhakdi). 1999 habilitierte er sich mit einer Arbeit über den Retinoic-acid-receptor. Dr. Husmann ist Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie und als Hochschuldozent tätig.

 

Anschrift der Verfasser:
Dr. Dominic Fenske
Apotheke des Klinikums
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz
fenske@apotheke.uni-mainz.de

Privatdozent Dr. Matthias Husmann
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Obere Zahlbacherstraße 67
55101 Mainz

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