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Ein Stern bringt Hoffnung

28.10.2002
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Ein Stern bringt Hoffnung

PZ  Eines der großen Probleme in der Chemotherapie sind Mehrfachresistenzen des Tumors. Ein internationales Forscherteam hat nun eine neue Wirkstoffklasse entwickelt, die in der Lage sein könnte, die gefürchtete Mehrfachresistenz aufzuheben.

Eine wichtige Rolle bei der Ausbildung einer Mehrfachresistenz spielen so genannte Molekülpumpen wie beispielsweise P-Glycoprotein. Manche Tumore sind in der Lage, diese Proteine herzustellen und in ihre Zellmembranen einzubauen, wenn ihnen Zytostatika zu Leibe rücken. Die Pumpen schleusen die giftigen Substanzen dann einfach wieder aus den Zellen. Einige Hemmstoffe für die Molekülpumpen hat man bereits entdeckt, unglücklicherweise wirken diese aber in toxischen Konzentrationen.

Nach Angaben der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“ hat ein Team um Andreas Hilgeroth, Universität Halle, Josef Molnar, Universität Szeged, Ungarn, und Eric De Clercq, Universität Leuven, Belgien, eine seltene Substanzklasse identifiziert, die bereits in niedrigen, nicht toxischen Dosen Mehrfachresistenzen im Zellmodell entgegen wirkt. Chemiker bezeichnen diese Moleküle als Diazatetraasterane. Der komplexe Wirkstoff enthält als zentrales Element ein Asteran, einen sternförmigen Käfig aus Kohlenstoffatomen. Ein Tetraasteran ist ein Stern mit vier Zacken. Am sternförmigen Gerüst hängen verschiedene funktionelle Gruppen. Bedingt durch den Syntheseweg sind diese Gruppen so angeordnet, dass ein streng symmetrisches Gebilde entsteht. Die zentrale steife Käfigstruktur fixiert die räumliche Anordnung der funktionellen Gruppen, die offensichtlich genau in die Bindungstasche der Molekülpumpe passt.

„Die hemmende Wirkung dieser streng symmetrischen Verbindungen könnte Hinweise über die räumliche Struktur der Bindungsstelle der Pumpen geben“, vermutet Hilgeroth. Versuche mit asymmetrischen Asteranen sollen diese Hypothese nun belegen. Derweil wird das klinische Potenzial der neuen Wirkstoffe weiter unter die Lupe genommen. Top

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