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Phytos wirksam bei Venenleiden

28.06.2004  00:00 Uhr
PZ-Akademie Kongress

Phytos wirksam bei Venenleiden

Die Hersteller pflanzlicher Arzneimittel gehören zu den Verlierern der Gesundheitsreform. "Nur wenige Phytopharmaka werden noch von der Gesetzlichen Krankenversicherung erstattet", sagte Professor Dr. Holger Kiesewetter von der Charité Berlin. In seinem Fachgebiet Venenerkrankungen seien jedoch einige Präparate unbestreitbar wirksam.

Dies werde durch die Studienlage eindeutig bestätigt, so Kiesewetter. Vor allem zum Rosskastaniensamen-Extrakt gebe es zahlreiche placebokontrollierte randomisierte Wirksamkeitsnachweise bei der Behandlung von Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz.

So erwies sich die zweimal tägliche Einnahme eines Rosskastanien-Extraktes mit einem Gehalt von 50 mg Aescin der als Goldstandard geltenden Kompressionstherapie als gleichwertig. Nach zwölf Wochen Therapie hatte das Beinvolumen der mit Rosskastanie behandelten Patienten um durchschnittlich 45 ml abgenommen. Die Werte für die Kompressionstherapie waren vergleichbar.

Im Gegensatz zur physikalischen Behandlung zeigte der Extrakt seine Wirkung allerdings mit zeitlicher Verzögerung. So war das Niveau der Kompressionstherapie erst nach zwölf Wochen erreicht. Mit einer Zahl von 240 Patienten war die Studie durchaus aussagekräftig, urteilte der Referent.

In etwa vergleichbar sei die Wirksamkeit von Präparaten aus Rotem Weinlaub oder Buchweizenkraut. Mit einem Rückgang des Beinvolumens um durchschnittlich 100 ml schnitt das Weinlaub etwas besser ab. Allerdings lassen sich laut Kiesewetter die Ergebnisse der Studien untereinander nur bedingt vergleichen. So nehme in einem heißen Sommer der Beinumfang stärker zu als in kalten Monaten und dementsprechend werde auch die Differenz zu Placebo beeinflusst.

Etwas schwächer scheint die Wirksamkeit von Mäusedorn (Ruscus) und Steinkleekraut. Mit einer Reduktion von 20, beziehungsweise 30 ml Beinvolumen schnitten sie in den von Kiesewetter vorgestellten Studien schlechter ab. Die beiden Präparate seien deshalb vor allem in der Kombination mit einer Kompressionstherapie sinnvoll, sagte der Experte.

Vom topischen Einsatz der Extrakte hält Kiesewetter wenig. Die Substanzen könnten schlecht die Haut penetrieren, so seine Begründung. Dagegen sei eine lokale Kühlung in jedem Fall sinnvoll.

Angesichts der Studienlage hält Kiesewetter den Einsatz von Phytopharmaka bei chronisch venöser Insuffizienz für sinnvoll. In der Kombination mit der Kompressionstherapie hätten sie häufig einen additiven Effekt. Ebenso spreche nichts gegen eine Dosierung oberhalb der Herstellerempfehlung oder die Einnahme während der Schwangerschaft. Dem Patienten sollte unbedingt erläutert werden, dass die Wirkung erst nach einigen Wochen einsetzt. Deshalb sei es auch wichtig, mit der Therapie bereits im April zu beginnen, also bevor die warmen Monaten kommen.

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